USA Alaska

Alaska die letzte Wildnis (oder so)

Wir fuhren einen weiteren Grenzübertritt unserer Reise. Der Übertritt nach Alaska aus Kanada war eine kurze Sache, hatten wir doch noch ein Visum für die USA das noch einige Zeit gültig war. Was uns mal wieder auffiel, die Strassen beiderseitig einer Grenze sind meist unterschiedlich:-).

Doch was zuerst als ganz flache Rennpiste auf US-Boden daherkam, entpuppte sich bald als welliges Asphaltband, wie wir es von weiter unten, aus Kanada kommend, gewohnt waren…

Die relativ direkte Strecke nach Fairbanks brachten wir zügig hinter uns. Hier lassen wir uns ein letztes Mal mit etwas Zivilisation verwöhnen und füllen die Tanks auf. Wir haben uns weiter unten entschlossen, die Strecke bis ganz nach Norden über den Dalton Highway bis nach Prudhoe Bay zu fahren. Auf dieser können wir ans nördliche Polarmeer und an den Gegenpol zu unserem Besuch in Ushuaia, Argentinien, ganz im Süden, gelangen. Dies sollte nun die Strecke über gut 600km Schotterstrasse nach Norden sein. Wir waren gespannt was uns erwarten würde und wie viele Steinschläge wir in unserer Frontscheibe mit nachhause bringen würden.

Die ersten Hügelzüge werden mit asphaltierten Strassen überquert. Die Strassen liegen schön über das Gelände gelegt und die Steigungen sind entsprechend steil. Für die wenigen Touristen und die vielen Lastwagen ist das gut genug, oder aber muss einfach reichen.

Nun folgte die Naturstrasse für die kommenden zwei Tage in eine Richtung fahrend. Schöne Landschaft entlang der Piste und langsam änderte sich die Vegetation. Wir konnten den nördlichen Polarkreis auf 66 Grad nördlicher Breite überqueren. Wir besuchten eine schöne Tafel und mit uns waren auch viele Stechmücken zu Besuch. Wir waren noch vor dem längsten Tag am 21. Juni unterwegs. Der Himmel war recht bewölkt und ab und zu begleitete Regen unsere Reise. Dies führte dazu, dass unser Fahrzeug rundherum schön mit brauner Masse überzogen war. Der Regen vermochte nicht, den aufgewirbelten Dreck wegzuwaschen.

Da es wenig offizielle Campingmöglichkeiten und von der Strasse wegführende Strassen entlang der Strecke gibt, parkten wir eine Nacht zwischen Oelpipeline und Piste. Die vorbeifahrenden Lastwagen und die Windgeräusche, gemischt mit Regen, störten uns nicht weiter. Die Nächte verdunkelten sich nicht wirklich, da wir uns nördlich des Polarkreises befanden. Auf die hellen Nächte haben wir uns schon lange gefreut. Wir kamen gut voran und haben den nördlichsten Punkt, der als Privatperson angefahren werden kann, in Prudhoe Bay gegen Mittag erreicht. Hier oben wird nach Oel gebohrt und entsprechend ist alles gesichert und abgesperrt. Wir entschlossen uns eine geführte Reise ans Polarmeer zu machen. Nun waren wir also im Bus, wurden durch die Spezialzone gefahren und informiert was in den diversen Anlagen von Statten geht. Riesige Anlagen und Bohrtürme verwandeln die Gegend in eine geisterhafte Umgebung.

Wir durften an einem schmalen Bereich ans nördliche Polarmeer und auf’s Eis stehen und ein paar schöne Fotos machen. Einen weiteren Höhepunkt unserer Reise hatten wir erreicht und uns blieb quasi nun der Heimweg übrig.:-)

Die Rückfahrt nach Süden bescherte uns mit besserem Wetter und die Piste trocknete schnell und schon bald führten wir wieder eine grosse Staubwolke hinter uns her. Die Mücken waren jeweils abends in sehr grosser Zahl um uns herum. Wir setzten unsere Kopfnetze auf und so hatten wir nur noch die Geräusche der Biester um uns. Die Fahrt zurück nach Fairbanks war ohne weitere Vorkommnisse und noch immer keinen Steinschlag in unserer Windschutzscheibe zu verzeichnen, zum Glück!

Da wir einen Termin im Denali Nationalpark Camping schon früher festgelegt haben, gab’s in Fairbanks Zeit um mal wieder etwas Ferien zu machen. Wir trafen zwei Schweizer in der Stadt und verbrachten gemeinsam das Sommersonnenwendefest Sonntagabend im Zentrum von Fairbanks. Den seit Chile mitgeführten Ersatzreifen wollten wir am Duro vorne montieren und mal wieder einen Oelwechsel durchführen. In der öffentlichen Bibliothek konnten wir uns etwas Internetdaten beschaffen und uns im verregneten Wetter auf den Besuch des Denali Nationalparks freuen.

Wir wussten dass in der Hauptsaison viele Touristen unterwegs sind und so hielten wir uns von den Zentren etwas raus. Wir verbrachten eine Nacht westlich der kleinen Ortschaft Healy in der Nähe des Nationalparks und konnten abends den berühmten Berg, Mount McKinley weit entfernt sehen. Wir übernachteten auf der Stampede-Road, auf der sich weiter westlich hinter, dem Teklanika Fluss, der Originalbus des Filmes „Into the Wild“ befindet. Die Fahrt zum Bus ist nur im Winter ohne eine tiefe Flussdurchfahrt möglich. Wir besuchten jedoch auch den „Filmbus“ in Healy und machten ein paar Fotos.

Wir konnten dann nach der Wartezeit in den Campingplatz im Nationalpark hinfahren. Kurz vor Ende der Asphaltstrasse und der Zutrittskontrolle für Camper, sahen wir viele parkierte Autos auf der Strasse. Da muss es was zu sehen geben! Wir sehen nahe einem Bach eine Bärenmutter mit zwei Jungtieren. Etwas weiter rechts frass ein weiterer Grizzlybär an einem Kadaver. Nun nahm die Bärenmutter den Geruch wahr und wir konnten eine Machtdemonstration der Mutter beobachten. Sie verscheuchte das Einzeltier und führte ihre Kleinen zum Futter. Uns bot sich ein kleines Spektakel schon am ersten Tag im Nationalpark!

Wir hatten einen reservierten Platz im Campingplatz beim Teklanikafluss reserviert. Dies jedoch in der Hauptzeit mindestens für drei Nächte und eine Parkbustour für den nächsten Tag gebucht. In diesen Nationalpark fahren Busse und die Besucher erfahren von den Busfahrern vieles über das spektakuläre Gebiet. Wir hatten eine Tour zum Wonderlake unternommen. Diese führte uns während neun Stunden hin und zurück. Wir machten ein paar Stopps, konnten Karibus, zwei weitere Grizzlybären und Dall Schafe in der schönen Natur beobachten. Zum Glück gab’s auf der Strasse weitere Busse, denn oft hätten wir die Tiere ohne die Zeichen der anderen Busse nicht entdecken können. Auch spielte das Wetter nicht ganz so wie wir es uns erträumten. Ein Anblick des höchsten Berges in Nordamerika aus der Nähe blieb uns leider auch noch verwehrt. Die Fahrt war jedoch auch so ein grosses Erlebnis. Den nächsten Tag regnete es leider ununterbrochen und wir spazierten nur kurz im nahe gelegenen Flussbett und erkundeten die Wildnis um den Campingplatz ein wenig. Einen Regenruhetag um uns auf die nächsten Sonnentage mehr freuen zu können.

Während der Ausfahrt aus dem Park besuchten wir noch die Informationszentren und wurden von den Parkarbeitern über die Hundearbeit im Winter informiert. In der Hundeabteilung werden täglich mehrmals die Arbeiten mit den Hunden und die Organisation im Park erklärt. Wir hatten das Gefühl, dass sich diese Tiere schon auf den nächsten Winter freuen um wieder ihrer Arbeit nachgehen zu können. Diese Schlittengespanne sind für die Versorgung der Nationalparkaussenposten und Materialtransport generell im Winter zuständig. Im Sommer sind sie für die Touristenbesuche auf Bereitschaft.

Die Weiterfahrt führte uns nach Süden zur Hauptstadt von Alaska, Anchorage. Hier gibt’s einige Zivilisationsannehmlichkeiten und wir konnten unsere Vorräte wieder auffüllen. Wir schlenderten durch die Stadt und hatten das Angebot bald gesehen. Wir verbrachten nur eine Nacht in der näheren Umgebung von Anchorage und fuhren zügig weiter nach Süden. Auf dem Weg nach Seward kamen wir am interessanten Wildlife Conservation Center mit vielen Tieren vorbei. Hier werden neben der Aufnahme von verletzten oder verwaisten Tieren auch eine Herde Waldbisons auf deren Auswilderung im Jahre 2015 vorbereitet. Wir konnten ein paar Elche (Moose) von ganz nahem beobachten und der Blaubeerenfütterung der Bären zuschauen. Der Park war eine tolle Abwechslung während der Fahrt.

In Seward, einem Touristenort, haben wir uns für die Buchung eines Sportfischausfluges entschlossen. Angelikas Traum war einen grossen Lachs an die Angel zu kriegen. Wir vereinbarten, dass der Verlierer von uns zweien die Kosten des Ausfluges übernehmen würde. Wir waren für unsere Reise mal wieder sehr früh aufgestanden. Galt es an einem sehr verregneten Tag bereits um sechs Uhr in der Früh bereit zu sein. Das Erlebnis der Sportfischerei zeigte sich uns mit stürmischer See, Wind und Regen. Die Fahrt führte uns in den Windschatten kleiner Inseln mit etwas weniger Schaukelei. Die Seekrankheit führte zu etwas unangenehmen Szenen bei fast der ganzen Mannschaft an Bord.

Das Angelglück war auf Angelikas Seite. Neben ganz kleinen, zwei grossen Kingsalmon, für die wir leider keine Lizenz hatten (die beissen zu dieser Zeit eigentlich noch nicht) ging dann ein Silversalmon an den Haken. Simon blieb leider erfolglos und musste die gut vier Pfund Lachsfillet bezahlen…:-)

Ein weiterer Höhepunkt durften wir erleben und Angelika hatte frischen Fisch zum Genuss ganz für sich alleine. Uns wurde eine Fährfahrt nach Valdez, etwas östlich gelegen, empfohlen. Um zur Fähre zu gelangen galt es nach Whittier zu fahren. Zu dieser im zweiten Weltkrieg strategisch positionierten Hafenstadt gelangt man landseitig nur durch einen Tunnel. Der Tunnel, einst für die Eisenbahn ins Landesinnere nach Alaska gebaut, wird heute auch von Automobilen befahren.

Leider hat die Ortschaft Whittier ihre Blütezeit lange hinter sich. Sie glänzt mit einer riesigen Militärunterkunftsruine und einem „Wolkenkratzer“. Viele Sportfischerboote werden an Land parkiert um vermutlich über die Wochenenden von den Bewohnern aus Anchorage gebraucht zu werden. Ab und zu legt ein grosses Kreuzfahrtschiff an. Die Passagiere kommen jedoch nicht grundsätzlich für die Ortschaft, sondern um die Reise zu beenden und nach Anchorage gebracht zu werden, oder dann eine Kreuzfahrt zu starten. Es gibt wenig Souvenirangebot und wir haben das Angebot auch schnell mal durchgesehen:-). Wir haben die etwas langsamer fahrende Fähre nach Valdez buchen können. Diese führt uns in gut sechs Stunden durch schöne Fjordlandschaften generell nach Osten. Wir genossen eine ruhige See. Ab und zu springen kleine Fische aus dem Meer. Wir hielten auch für grössere Fische Ausschau. Das lange Warten wurde uns dann mit den Rücken einer Walmutter mit ihrem Kleinen belohnt. Weiter östlich schwimmen ein paar Eisberge von einem naheliegenden Gletscher auf’s offene Meer hinaus. Um die Eisberge schwimmen Seeotter und ab und zu liegen diese sogar auf dem Eis und geniessen die ruhige Abendstimmung.

Kurz vor Valdez sahen wir viele Fischerboote mit grossen Netzen im Wasser. Diese fischen zu dieser Zeit nach Lachs. Wir erfuhren später von einer Fischercrew, dass die Fangquoten vom Staat jeweils wieder freigegeben werden. Die Boote müssen dann jeweils im Hafengebiet warten, bis sie zum nächsten Fang wieder raus dürfen. Das Jahr 2013 sei ausserordentlich gut gewesen. Nun seien die Fangerwartungen für das Jahr 2014 sehr hoch und einige Fischer ungeduldig. Wir wünschen diesen Teams viel Erfolg und nur gutes Wetter.

Wir konnten in Valdez mal wieder etwas im Internet unterwegs sein und uns dem Wäschewaschen widmen. Wir fuhren kurz darauf in den Wrangell St- Elias Nationalpark. Wir waren unterwegs zur kleinen Ortschaft McCarthy. Unweit von McCarthy wurde die Kupfermine Kennecott aus dem Boden gestampft. Um dieses Projekt ins Laufen zu bringen, musste eine Eisenbahn an die Küste erstellt werden. Diese Eisenbahnlinie war eine riesen Investition in dieser Zeit. Jedoch war das Kupfervorkommen in den Bergen um Kennecott sehr reichhaltig. Ein grosses Investorenteam ging ein grosses Risiko ein. Die Mine florierte und war eine der fortschrittlichsten dieser Zeit. Die Sicherheitsvorkehrungen und das Alkoholverbot waren fortschrittlich. Die Mineure konnten dann ihr Geld in der naheliegenden Ortschaft McCarthy unter die Leute bringen. Wir genossen eine sehr interessante Tour durch die langsam zerfallende Mine. Es gibt Unternehmungen die Gebäude vor dem Zerfall zu schützen. Die Winter hier um die Mine sind hart und so zerfallen die Gebäude immer mehr. Uns gefiel der kurze Einblick in eine strenge Arbeit anfangs der 1900er Jahre. Das Ende der wirtschaftlichen Ausbeutung der Mine war leider absehbar und so wurde von einem auf dem anderen Tag die Produktion eingestellt und das letzte Erz mit der Eisenbahn weggeführt. Das Ende der Mine führte viele Jahre zur Vergessenheit des Gebietes. Es gab ein paar wenige Versuche die Erzproduktion wieder aufzunehmen, jedoch war dies nicht mehr wirtschaftlich möglich. Erst in den 1970er Jahren wurde, durch den Bau einer Strasse über das frühere Eisenbahntrassee, das Gebiet von Touristen und Aussteigern entdeckt. Die Eisenbahn existiert nicht mehr. Ab und zu sehen wir ein paar Holzstücke der Holzbrücken der Bahn und neben der Strasse liegende Eisenbahnschienen. Diese wurden recht rudimentär einfach zu Seite gepflügt und liegen nun unter den Büschen.

Die Fahrt aus dem Park nach Westen führte uns auf der Schotterstrasse bis an den Copper-Fluss. Da haben wir bei den Fischrädern kurz angehalten. Ein paar Fischer hatten ihre Fischräder gestartet und versuchten mit diesen Einrichtungen Fische aus dem Fluss zu heben. Wir konnten mit einem gesprächigen Kriegsveteranen eine sehr informative Unterhaltung führen. Er berichtete uns von seiner Wohnsituation und seinen früheren Erlebnissen. Er lebt heute „Off The Grid“, das heisst ohne Anschluss ans Strom- und Wassernetz, in einem Grundstück im Wald. Er hat uns dann auch darauf hingewiesen, dass in Valdez, da wo wir herkamen, die Lachse aus dem Meer zurückkommen und da auch mal Bären sich Fleisch aus dem Meer holen. Ja, das haben wir schlicht verpasst. Die Idee, dass wir jedoch bald ins Landesinnere unterwegs sein werden, und wir von den Lachsen weg sein würden, veranlasste uns nochmals ans Meer zurück zu fahren. Die Idee einen Bären beim Fischen zu beobachten entzückte uns. Wir fanden die Fischzucht mit dem Wehr im Wasser und stellten uns zur Pirsch. Wir verbrachten während zweier Tage mehrere Stunden am Wasser und beobachteten Seelöwen und Otter, viele Möwen und Weisskopfseeadler bei der reichen Tafel. Die Veränderungen bei Flut und Ebbe und die vielen Fische waren ein grosses Erlebnis! Der Bärenbesuch blieb während unseres Besuches leider aus.

Etwas schweren Herzens verliessen wir das Meer ohne einen Bären beim Fischen beobachtet zu haben. So haben wir mal wieder einen Grund später nochmals zurückzukommen.

Den grossen Wrangell St-Elias Nationalpark besuchten wir nochmals. Diesmal auf einer nördlich gelegenen Strasse. Der grösste Nationalpark Alaskas liegt etwas abseits. So kamen wir in den Genuss, dass wir keinen Eintritt bezahlen mussten. Es gab im Besucherzentrum sogar eine CD mit Texten zur bevorstehenden Fahrt in den Park. So erfuhren wir viel zusätzlich über die Gegend und genossen die Fahrt durch eine wilde Natur. Riesige Flächen mit kleingewachsenen Fichten und Tannen und immer mal wieder ein See. Ein paar Elche konnten wir beim Grasen im Wasser beobachten.

Da die Naturstrasse wenig befahren ist, konnten wir zügig unterwegs sein und uns schon bald auf den Weg zurück nach Kanada machen. Dazu haben wir uns auf die Strasse über die Ortschaft Chicken nach Dawson City in Kanada aufgemacht. Der Grenzübergang am „Top Of The World“ Highway gelegen, haben wir an einem windig verregneten Tag befahren. Der Grenzbeamte fragte uns ein paar Fragen wie wir unsere Reise finanzieren würden und wann wir planen, Kanada wieder zu verlassen. Wir konnten den Beamten überzeugen und erhielten weitere sechs Monate für das Bereisen von Kanada nach Osten.

Zum nächsten Teil unseres Abenteuers mit Flugeinlagen der besonderen Art werden wir in Kürze hier berichten.
Bis dahin senden wir liebe Grüsse in die grosse Welt.
Angelika uns Simon