Ruta 3 - Austral

Da stehen wir nun, nach 6 Wochen Spanischunterricht in Zarate und warten auf den Zoll, dass dieser unseren Duro freigibt und wir endlich „richtig“ Richtung Süden davonbrausen können. Wir sind froh, dass unsere Ansprechperson in Zarate ein wenig Englisch spricht. Auch wenn Sie das nicht wirklich gerne macht, wie die meisten Argentinier. Wieso auch eine Sprache sprechen die ja eh nur Feinde von Argentinien sprechen. Die Falklandinseln gehören schliesslich ja auch den Argentiniern und nicht, wie allgemein angenommen, den Engländern. Das ist aber eine andere Geschichte, wie auch die finanzielle Lage der Nation.

Zurück nach Zarate. Nach ca. zwei Stunden beim Zoll, alle Papiere schön brav ausgefüllt und abgestempelt, bekommen wir Zugang zum Zollgelände. Simon geht hinein und ich warte beim Eingang mit unserem Gepäck. Zirka eine Stunde später höre ich das vertraute Brummen unseres Duros in Südamerika. Glücklich darüber, dass nichts abgeschraubt wurde bei der Überfahrt und der Duro auch gleich wieder angesprungen ist, machen wir uns auf den Weg zur nächsten Tankstelle. Bei Kilometerstand 51729 nur den Haupttank füllen bitte! Der Liter Diesel kostet hier in Argentinien ca. 1.20 CHF. Gut gelaunt und ziemlich gespannt, suchen wir uns einen Nachtplatz. Wir halten im GPS nach einem Camping Ausschau, werden fündig und fragen unsere „Dame“ uns dahin zu führen. Dort angekommen gefällt uns der Platz nicht besonders. Wir sind im Spätsommer angekommen, die grossen Ferien sind vorbei und die Campinganlage hätte einen „Frühlingsputz“ nötig. Wir bekommen da auch kein Wasser und Gas sollten wir auch noch auftreiben. Wir fragen beim Camping nach ob die Herren wissen wo wir Gas bekommen. Die Antwort an der Tankstelle. Lange rede kurzer Sinn, wir bekommen Gas von einer kleinen Firma die uns das ganze ganz unkompliziert abfüllt. Wieder zurück auf dem Weg nach Süden, und noch immer keinen Nachtplatz gefunden, entscheiden wir uns bei einer Tankstelle niederzulassen mit LKW Nachtplatz und Wasser umsonst. Wir füllen die 300 Liter Wasser, die wir bunkern können, ins Auto und geniessen unsere erste Nacht im Duro in Südamerika. Ja, ja unser Fahrzeug ist schon ein paar Fragen wert. Die Argentinier sind sehr freundlich und auch neugierig. So dauert es nicht lange und ein Trucker kommt zu uns und startet mit fliessendem Spanisch eine nette Konversation mit uns. Mit Händen und Füssen erklären wir ihm unser Reisemobil und tauschen auch „Truckerlatein“ mit ihm:-)

Die Ruta National 3 in Argentinien führt von Buenos Aires aus immer Richtung Süden mit dem Ende „Fin del Mundo“ / Ende der Welt oder auch dem Start der eigentlichen Panamericana, in Ushuaia. Das ist unser Ziel mit einigen Stopps unterwegs.

Die Strassen in Argentinien sind ziemlich gut. Ab und zu hat’s Schlaglöcher, denen unser Duro falls wir es sehen gut ausweichen kann. Wenn nicht, hüpfen wir drüber mit einem kleineren oder grösseren Poltern. Unser Weg führt uns mehr oder weniger direkt zur Halbinsel Valdés. Das ist ein Nationalpark der uns fast so gross erscheint wie die Schweiz. Was die Frage aufwirft wie viel grösser Argentinien im Vergleich zur Schweiz ist. Argentinien ist flächenmässig ca. 67-mal so gross wie die Schweiz mit ca. 40 Mio. Einwohnern. Wir versuchen uns an die langen Distanzen zu gewöhnen.

Valdés ist bekannt für viele Wale, Vögel, Orcas und Seehunde. Also ein richtiges Paradies für Tiere. Beim Eingang entdecken wir auch schon Nandus, eine Straussenart und Guanakos. In der für Bartenwale bekannten Bucht herrscht zu unserer Reisezeit leider kein Betrieb. Diese Wale sind mit Ihren Kindern bereits wieder in den Weiten des Atlantiks verschwunden. Wir können jedoch Seelöwen und Magellan Pinguine beobachten. Was uns sichtlich Spass macht und der Fotoapparat macht Überzeit. Voller Vorfreude erhoffen wir, dass wir das Orca-Spektakel am Punta Norte miterleben können. Die Orcas haben sich hier in der Region darauf spezialisiert sich an den Strand spülen zu lassen um junge Seelöwen zu jagen. Mit vielen anderen Schaulustigen warten wir gespannt darauf, dass die Orcas bald loslegen. Leider sehen wir diese nur ganz weit draussen im Meer. Anscheinend sind die Bedingungen noch nicht ideal für eine Jagd. Wir geben nicht so schnell auf und gehen am nächsten Tag wieder schauen. Wir fahren zurück zum Camping der Insel und geniessen den Abend mit Marco (IT) und Malene (DK), ein Paar das im Landrover unterwegs ist, ein paar nette Stunden mit Wein und Dulce di Leche. Am nächsten Tag machen wir uns wieder auf den Weg zum Punta Norte der Insel. Wir verbringen fast den ganzen Tag damit. Schauen und warten auf die Orcas. Die Jungen Seelöwen sind noch nicht bereit ins Wasser zu steigen und somit bleibt die spektakuläre Jagd noch aus. Wir entschliessen uns zur Weiterfahrt Richtung Süden. Uns zieht es noch relativ schnell Richtung Ushuaia, weil wir befürchten, dass der Schnee schon bald die Strassen bedeckt.

Wir lassen es uns nicht entgehen in Puerto Deseado einen Schlauchboot Ausflug zur „Insel der Pinguine“ zu unternehmen. Mit vier weiteren Gästen und zwei Guides stechen wir mit dem bekannten patagonischen Wind in See. Die einstündige Überfahrt in Windrichtung verläuft unproblematisch. Unterwegs zieht ein Albatros spektakuläre Kreise um uns. Es ist eine Augenweide ihm zuzuschauen. Kurz bevor wir das Boot in einer geschützten Bucht verlassen, schwimmen ein drei neugierige Delphine um unser Boot. Auf der Insel, mit einem ausgedienten Leuchtturm, gibt es zwei Pinguinkolonien. Wir begegnen nur noch erwachsenen Tieren. Diese befinden sich noch in der Mauser bevor sie sich wieder fünf Monate im Meer aufhalten werden. Die Jungtiere sind bereits alleine unterwegs im Atlantik. Vorsichtig nähern wir uns den Pinguinen und können super Fotos machen. Ein kurzer Spaziergang über die Insel bringt uns zur zweiten Kolonie, den „Rock-Hopper“ Pinguinen. Diese Kerle mit den gelben Federn am Kopf haben einen faszinierenden Ausdruck. Wir geniessen jede Minute zusammen mit den Pinguinen. Am Ende der Rundtour über die Insel besuchen wir noch eine Gruppe männlicher Seelöwen. Faulenzend in der Sonne liegend kommen die braunen Mähnen gut zum Ausdruck. Nach dem Mittagessen geht es gegen den Wind wie auf einer Achterbahn zurück zur Homebase. Nicht allen Passagieren bekommt die raue See gleich gut. Wir sind alle froh, als wir in die geschützte Bucht einbiegen und der Seegang wieder abnimmt. Wir schlafen ein wenig ausserhalb der Stadt mit Blick auf‘s Flussdelta und hören von einer Insel gegenüber die dort lebenden Pinguine. Mit diesen Geräuschen und dem patagonischen Wind schlafen wir müde ein.

Wir nehmen uns die Zeit einen weiteren Nationalpark zu besichtigen. Westlich von Puerto Deseado liegen riesige versteinerte Arankarien. Wir sind begeistert von diesen Bäumen und der Umgebung welche sich von der sehr flachen Gegend links und rechts der Strasse 3 abhebt. Zeitweise haben wir Mühe uns gegen den Wind zu behaupten. Wer ist stärker? Wir beschliessen nicht mehr lange weiterzufahren und parken unseren Duro ein wenig ausserhalb des Nationalparks neben der Strasse.

Ein unangenehmer Dieselgeruch im Wohnraum des Duro lässt uns Unheil vermuten. Ein Leck im Einfüllschlauch des Zusatztanks ist schnell gedichtet. Doch der Geruch ist noch immer da. Immer der Nase nach werden alle Schränke kontrolliert und wir finden den Übeltäter. Ein nicht dieseltauglicher Schlauch ist aufgequollen und schwitzt munter vor sich her. In der nächsten grösseren Ortschaft finden wir ein Geschäft das uns guten Schlauch verkaufen kann. Noch am gleichen Abend macht sich Simon daran den Schlauch auszuwechseln. Der Geruch ist noch nicht ganz verschwunden. Wir sind noch am Evaluieren wo sich der Übeltäter nun noch versteckt.

Auf dem Weg nach Feuerland passieren wir das erste Mal die chilenische Grenze. Etwas besorgt über den ersten Grenzübertritt nähern wir uns dem Zoll. Die Vorbereitungen zur Kontrolle im Wagen sind gemacht. Die Zollformulare auch schnell ausgefüllt und dem ersten Beamten abgegeben. Alles geht ganz leicht und benötigt auch nicht allzu viel Zeit. Die kurze Fahrt durch Chile erweist sich als etwas umständlich. Nach einer 20 minütigen Fährfahrt endet auch schon bald die Asphaltstrasse und eine ziemlich schlechte Schotterpiste führt von da weiter. Uns erscheint, als ob die Chilenen den Argentiniern absichtlich eine schlechte Strasse anbieten, denn die zwei Länder haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne. So lassen wir uns Zeit und schlafen ein weiteres Mal direkt neben der Strasse und passieren die Grenze nach Argentinien am nächsten Tag. Wir erfreuen uns der geänderten Landschaft auf den letzten Kilometern vor Ushuaia. In dieser touristischen südlichsten Stadt der Welt geben wir uns dem Flair dem antarktischen Abenteuer hin. Ein erstes Ziel unserer Reise, oder der eigentliche Start, ist mit dem Ende der Ruta 3 im Nationalpark Tierra del Fuego erreicht. Wir verbringen vier Nächte in diesem schönen Park. Wir treffen einen mit vier jungen Argentiniern beladenen VW Bus T2. Die vier Jungs aus Buenos Aires befahren Argentinien für ein Jahr in diesem Bus. Wir treffen auch noch ein junges Schweizer Paar das sich schon bald auf die Rückreise in die Schweiz macht. Wir geniessen nette Abende im Duro und tauschen Informationen und Erlebnisse aus.

Unsere Reise geht von nun an grundsätzlich nach Norden.

Auf Bald! Angelika und Simon