Ruta 40 Argentina / Carretera Austral Chile

Nun geht’s also irgendwie richtig los! Nach den schönen Tagen am Ende der Ruta 3, dem „Fin del Mundo“ für die Argentinier, besuchen wir noch einmal das kleine Postbüro des Herrn El Cartero und verschicken ein paar Postkarten nach Norden. Ein Brief ist sogar für uns ganz alleine nach Hause unterwegs und soll uns dann nach der Reise mit netten Stempeln an diesen schönen Park erinnern. In Ushuaia haben wir nochmals Besorgungen erledigt und nach etwas Suchen ein offenes Internet einer Ford Garage benutzt, um den vorherigen Bericht aufs Internet zu laden. Wir machen uns auf den Weg zur Estancia Harberton. Diese liegt, östlich von Ushuaia, in einem tollen Fjord- und Waldgebiet am Beagle Kanal. Der Schweizer VW-Bus ist auch schon auf einem schönen Campingplatz und wir freuen uns auf ein Wiedersehen und einen weiteren netten Schwatz. Uns besucht sogar der Osterhase am nächsten Morgen. Danke und gute Heimreise!

Wir versuchen ob wir auf der Estancia einen Besuch mit Führung machen können. Zum Glück werden noch bis mitte April Gäste durch die tolle und geschichtsträchtige Anlage geführt. Die Wohnhäuser und die Arbeitsschuppen der heute nicht mehr als Schafszucht genutzten Estancia, zeigen uns wie’s vor nicht allzu langer Zeit hier war. Eine direkte Nachfahrin des Gründers Thomas Bridges hat sich ein beachtliches Museum mit Meerestierskeletten angelegt. Auf einer tollen Führung durchs Museum können wir im Anschluss im nebenan liegenden „Knochenhaus“ noch ein paar Nasen voll des strengen Geschmacks von noch nicht enthäuteten und präparierten Knochen und Schädeln nehmen. Ein grosser Walfischkopf, bereit für die Präparation, liegt draussen an der Sonne und macht die Atmosphäre so einmalig, optisch sowie geruchsmässig. Sehr empfehlenswert die Estancia Harberton! (www.EstanciaHarberton.com)

Weiter nach Norden: Wir fahren diesmal bei erster Gelegenheit nach Westen rüber nach Chile. Nach einem Nachtlager und dem zweiten Tausch eines nicht dieseltauglichen Schlauches des Zusatztanks im Duro (nun haben wir wieder frische Luft drinnen), geht’s bei einem abgelegenen Grenzübergang nach Chile. Eine Brücke über den Grenzfluss fehlt, also fährt der Duro stolz durchs Wasser. Die Chilenen nehmen uns prompt den Rohschinken ab und geniessen ihn zum Frühstück. Also das nächste Mal wieder besser vorbereiten:-). (Unseren Schweizer Honig könnt Ihr lange suchen...)

Auf dem Weg nach Punta Arenas besuchen wir eine kleine Kolonie von Königspinguinen. Sie liegen zufrieden in der Sonne und lassen sich gut beobachten. So haben wir bereits drei Pinguinarten auf unserer kurzen Reise in Südamerika sehen dürfen.

In Punta Arenas schwelgen wir gedanklich in antarktischen Abenteuern früherer Entdecker und besuchen einen weiteren schönen Friedhof in Südamerika. Es soll der zweitschönste neben Buenos Aires sein. Die Schafbarone der Umgebung haben Ihren Familien besonders schöne Ruhestätten erstellt.

Auf der Weiterfahrt nordwestlich in Chile fragen wir abends bei einer Holzhandlung / Sägerei ob wir auf ihrem Gelände übernachten dürfen. Der Zuständige lässt uns auf seinem Gelände übernachten und gibt uns die Richtung zur Lagune etwas oberhalb an. Wir haben einen weiteren tollen Standplatz und bedanken uns am nächsten Morgen mit einer Tafel „Cailler-Schoggi“. Dem nächsten Ziel entgegen, dem Torres del Paine Nationalpark, fahren wir über weitere Schotterpisten mit heftigem Seitenwind. Je näher wir dem Park kommen, umso schlechter werden die Pisten. Die Saison geht langsam dem Ende entgegen und so wird die Piste nicht mehr allzu sehr unterhalten. Wir erhaschen ein paar teilvernebelte Blicke zu den imposanten Türmen und versuchen gegen den heftigen Wind anzufahren. Nachts auf dem Camping hat’s uns fast umgeblasen. Der Duro hat sich jedoch, mit all seinen 6 Tonnen Gewicht, standhaft zu Wehr gesetzt. Der Park hat uns tags darauf mit weiteren tollen Blicken auf das imposante Bergmassiv entlohnt. Auch konnten wir zwei Rotkopfspechte in einem Wald beobachten und kurz darauf, während einer Mittagspause, über zwei Dutzend Kondore am Himmel bewundern.

Der nächste Höhepunkt, ein Besuch bei grossartigen Gletscher Perito Moreno stand schon an. Etwas spät nachmittags treffen wir beim Gletscher ein und geniessen jede Minute bis wir uns abends aus dem Park machen müssen. Leider keine Übernachtung offiziell am Gletscher. Die Geräusche des brechenden Eises haben uns leider meist etwas zu spät mitgeteilt, dass da mal wieder ein Brocken, von uns unentdeckt, in den eiskühlen See gefallen ist. Doch nach etwas ausharren konnten wir zwei spektakuläre Abbrüche beobachten und die Wucht des Eises mit grossen Wellen im Wasser bestaunen. Der Gletscher „fliesst“ jährlich etwa einhundert Meter in den darunter liegenden Gletschersee. Dies auf einer Breite von gut sechs Kilometern und einer Höhe von gut sechzig Metern. Spektakuläre Momente sind hier eigentlich garantiert.

Cerro Fitz Roy oder auch El Chaltén liegen auf unserer Reiseroute. Wir treffen in der erst gut dreissig Jahre jungen Ortschaft El Chaltén mit heftigem Wind und etwas Regen ein. Das Bergmassiv ist in Wolken gehüllt und so merken wir von unserem Nachtlager direkt am Fluss erst gar nicht, dass der bekannte Berg Fitz Roy gleich hinter uns liegt! Erst am nächsten Morgen entdecken wir den imposanten Gipfel und unternehmen im Trekking-Paradies Argentiniens eine kurzweilige Wanderung. In der Ortschaft herrscht für uns irgendwie Goldgräberstimmung. Die Aufbruch- und Veränderungsstimmung lässt uns nicht unberührt. Hoffen wir, dass die paar Geschäfte hier noch lange viel Kundschaft haben werden.

Die längste Strasse in einem Land, die Ruta „Cuarenta“ in Argentinien, befahren auch wir hier unten im Südwesten des Landes. Diese Strasse wird immer mehr asphaltiert und noch bequemer befahrbar. Wir haben noch ein paar Schotteretappen befahren können. Durch tolle Landschaften kommen wir an einen nächsten Höhepunkt, die „Cuevo de los Manos Pintados“ (Höhle der gemalten Hände). Mit uns haben sich drei junge Franzosen auf die geführte Tour in die Schlucht gemacht. Toller Sonnenschein, beinahe Windstille und interessante Erklärungen des Führers haben uns gedanklich in der Zeit viele Jahre zurückversetzt. Wir geniessen die grandiose Umgebung. Schwer beeindruckt zurück im Besuchscenter tauschen wir uns mit den Franzosen aus. Sie bereisen unter anderem Südamerika mit Fahrrädern. Diese haben sie in Buenos Aires gekauft und versuchen sie in Santiago wieder zu verkaufen. Einen Teil der Reise werden sie mit Bussen und Schiff zurücklegen. Wir konnten den dreien Informationen über den Strassenzustand und ein paar Versorgungsmöglichkeiten mitgeben. Zu bereits vorgeschrittener Stunde hatte ich, Simon, die Idee, den Jungs anzubieten, sie an einem Seil mit dem Duro den steilen Anstieg zu Ihrem Gepäck, etwa 15km weiter oben, zu ziehen. Da alle Beteiligten das noch nie gemacht haben, war die Idee schnell umgesetzt. Die Jungs hatten den Trick hinten an den Schlaufen der Seile schnell raus. Die Geschwindigkeit des Zuges war auch schnell festgelegt, und so ging es dann mit gut 20 Stundenkilometer bergauf:-) Oben an der Kreuzung, wo das Gepäck hinter einem Gestrüpp versteckt war, ging das Tageslicht dann schnell aus. Der Duro meinte, er könne ja gleich da an der Kreuzung stehen bleiben und den Jungs mit Gas vom Kochherd aushelfen. So freuten sich die Franzosen über zwei volle Pfannen mit Teigwaren und anschliessend wir uns über den gemeinsamen Tee zu fünft draussen im kleinen Zelt. Guetzli und Schoggi verfeinerten den lustigen Abend. Wir wünschen den drei Franzosen aus Südfrankreich noch eine tolle Weiterreise und würden uns über ein spontanes Wiedertreffen sehr freuen. Ein tolles Abschiedsfoto rundete diese Begegnung am nächsten Morgen ab. Wir stachen die steile Piste in den tollen Canyon nach Nordwesten ab und waren bald darauf zurück auf der Ruta 40 mit feinstem Asphalt und in grandioser Umgebung. Wir haben uns entschlossen, den grossen See „Lago Buenos Aires“ auf der argentinischen Seite oder „Lago General Carrera“ auf chilenischer Seite, am südlichen Ufer nach Westen zu folgen. Bereits unser fünfter Grenzübertritt, diesmal wieder nach Chile war unsererseits gut vorbereitet. Die Zollformalitäten schnell erledigt und die Frischwarenkontrolle, trotz etwas Augenverdrehens seitens Angelika, gut gemeistert. (Wo der Honig sei wurde Angelika gefragt, Honig? sowas haben wir nicht... oder such doch einfach besser...) Das war die bisher „pinggeligste“ Version. Wir nehmen an, der Junge Beamte war noch in Ausbildung und wollte jemandem etwas beweisen... In unserem Reiseführer fanden wir einen Hinweis auf ein Deutsches Paar, das ganzjährig im „Valle Exploradores“ einen Camping/Gästehaus führt. Die 44km vom Seeufer her ins Tal vermochten wir an diesem Tag nicht mehr fahren. Nach einer angenehmen Nacht neben einem tollen wilden Bach folgten wir am nächsten Tag bis ans Ende der Strasse. Bei cirka km 75 ist eine Baustelle für eine Hängebrücke und so ein Weiterkommen vorerst noch nicht möglich. Die Strasse aus der Bahia Exploradores zur Brücke meerseits ist cirka 10km lang. Bis die Hängebrücke erstellt ist, ist die Ortschaft nur vom Pazifik her erreichbar. Wir sind, wie Thomas, der Deutsche Auswanderer anfangs fünfzig, auch gespannt, was die durchgehende Strasse im Tal bewirken wird. Der Besuch im Campo Alacaluf (www.campoalacaluf.cl) war herzlich und für uns sehr aufschlussreich. Thomas und seine Frau sind vor zwölf Jahren buchstäblich in diesem Tal hängen geblieben und betreiben heute das nette Gästehaus. Als wir ankamen war Thomas mit acht Hunden und drei Katzen alleine da. Die „Frauen“ seien für einen Einkauf in die nächstgelegene grössere Stadt Coihaique diesen Morgen losgefahren. Wir genossen die nette Zeit mit Thomas, die vielen Erklärungen und Anekdoten, den Spaziergang durch den Regenwald und die Nacht direkt am Fluss. Der Duro durfte hinter dem Zaun stehen und fühlte sich wohl wie wir. In der kleinen Ortschaft Puerto Tranquilo, berühmt für die grossartigen Marmorhöhlen und Gewölbe am Seeufer, haben wir auf Empfehlung eine Bootstour unternommen. Das Erlebnis war einzigartig und jedem der da durchkommt zu empfehlen. Da die kurze Saison langsam dem Ende entgegen geht, war nicht besonders viel los und uns zog es denn auch nordwärts. Ein paar kurze Regenschauer während der Fahrt durch die spezielle Landschaft haben es nicht vermocht, nach unserer Definition für einen Regentag zu erreichen. Mehr als vier Stunden Regen tagsüber ist nach unserer Festlegung ein Regentag auf dieser Reise. Die vergangenen sechs Wochen kommen wir gerade auf einen knappen halben Regentag!:-) Entweder sind wir zu schnell unterwegs, oder aber auch bei uns gilt der Leitsatz: „Wenn Engel reisen...“!? Die Fahrt nach Norden führte uns dann vielen Flüssen entlang durch grossartige Täler. Leider sahen wir ab und zu noch die für uns unschönen Zeichen von Brandrodungen, wie sie bis mitte des letzten Jahrhunderts für Weideland gemacht wurden. Doch wir konnten auch durch tolle intakte Urwälder fahren mit üppigem Bewuchs und sich langsam einstellender, herbstlicher Verfärbung. Einmal mehr haben wir uns unterwegs spontan für einen Nachtplatz neben der Strasse entschieden. Die einbrechende Nacht und etwas längeren Distanzen, im Vergleich zur Schweiz, liessen uns ausserhalb einer grossen Kurve parkieren. Angelika machte einen leckeren Teig und ein paar Würstli mit etwas Mozzarella verschwanden schon bald im Backofen. Wir freuen uns auf Morgen um in Coihaique mal wieder einzukaufen und zu versuchen, für den Duro ein paar neue Glühkerzen zu finden.