Zentral Chile

Pazifik Seengegend und Glühkerzen

Das Heraufladen des letzten Berichtes mit Fotos ging ausserordentlich zügig von statten. Da sind wir für die nächste Aktualisierung aber verwöhnt, respektive anspruchsvoll. Wir werden sehen…

Uns zieht es aus der im Sommer sehr touristischen Region um Villarrica nach Nordosten. Weitere schöne Vulkane und Araukarien-Wälder warten auf unsere Entdeckung. Wir finden mal wieder einen „wilden“ Stellplatz in einem Aufforstungsgebiet. Eine weitere kalte Nacht und am nächsten Morgen will unser heissgeliebtes GPS Gerät einfach keine Satelliten mehr finden. Diverse Versuche mit verschiedenen Antennen und so weiter fruchten nicht! Da müssen wir uns mit dem kleinen Handgerät, das wir noch mitführen, wohl abfinden, und uns um einen Ersatz in einer Stadt kümmern:-(

Mit dem kleinen Gerät wissen wir auch wo wir sind, vermissen jedoch schon bald die nette Stimme mit Richtungsangaben und auch den relativ grossen Bildschirm. Wilde Gedanken, wie das mit dem kleinen Gerät weiter gehen soll und wie wir nun unseren Weg finden werden, schlagen wir uns um die Köpfe. Auf dem Weg in den wunderschön herbstlich verfärbten Nationalpark Puyehue mit einem der aktivsten Vulkane in Chile, dem Puyehue, vergessen wir bald unser kleines Gerät. Tolle Umgebung, zwischendurch sogar einen wolkenfreien Blick auf einen schön verschneiten Vulkan. Einen kurzen Abstecher an eine schöne Lagune mit wenig Wasser. Tolles schwarzes Vulkangestein erinnert uns an die letztjährige Reise nach Island. In diesem Park sind auch die schönen Araukarien einheimisch. Diese Bäume, in für uns aussergewöhnlicher Gestalt, machen die Umgebung einzigartig. Je älter die Bäume, umso mehr verlieren sie die Stacheln an ihrem Stämmen und bilden eine eigenartige Rinde. Uns erinnert diese an eine „Krokodilhaut“. Auch gibt’s Kerne dieser Bäume zu sammeln oder kaufen. Etwas Ähnlichkeit mit Marroni können wir feststellen, werden diese etwas gebacken gegessen.

Ein Versuch, nach dem Mittagessen das GPS Gerät zu zerlegen und vielleicht intern einen mechanischen Defekt der Antenne zu entdecken, bleibt erfolglos. Ein schöner Spaziergang durch die tollen herbstlich verfärbten Wälder und ans Wasser eines schönen Sees, lassen die Zeit ein weiteres Mal mit hohem Tempo verstreichen. Kurzerhand entschliessen wir die nächste Nacht bei einem Parkplatz stehen zu bleiben. Der Parkwächter interessiert sich nicht für uns, und so können wir dank der Nebensaison stehen, wo es sonst nicht möglich wäre. Eine weitere kühle Nacht mit Morgenreif und ein Duro der ächzt unter dem ersten morgendlichen Startvorgang! Mit viel Rauch startet ein weiterer toller Tag.

Wir wollen in der nächstgelegenen grösseren Stadt, Temuco, versuchen ein Ersatz GPS-Gerät zu erstehen. Ja wir denken bereits etwas einfach, sprich nur noch von Ersatz. Die Stadt Temuco hat einen belebten Markt und mal wieder etwas Regen. Käse können wir sogar für ein späteres Raclette erstehen. Ein Angebot eines kleinen GPS Gerätes wollen wir nicht kaufen. Es ist einfach noch zu früh! Dafür verbringen wir gleich die Nacht auf dem Parkplatz des Geschäftes. Es ist bereits dunkel, regnet und es dürfte schwierig sein, nahe der Stadt einen „wilden“ Stellplatz zu finden. Also kurzerhand stehen bleiben. Die Parkplätze um uns leeren sich langsam. Bis wir die einzigen sind und dann die Polizei uns aus dem Einschlafen nochmals weckt. Kurzerhand unsere Absicht erklärt und die Pässe zu einer Aufnahme der Personalien ausgehändigt, beantworten wir auch bereits Fragen zu unserer Reise und unserem Fahrzeug. Wir dürfen die Nacht ausnahmsweise auf dem Privatgelände verbringen. Werden sogar eingeschlossen:-) Der Nachtwächter hat zu seiner Absicherung die netten zwei Beamten gerufen.

Früh sind wir bereits am nächsten Tag in einem interessanten Museum über die Indianerkultur und Besiedelung des Gebietes um Temuco. Auch gibt’s da ein Internet und so geht die Suche los. Schon nach kurzer Zeit haben wir Informationen, wie das totgeglaubte GPS Gerät mit einer Tastenkombination „wiederbelebt“ werden kann. Das sind doch tolle Aussichten. Also los weiter nach Norden und auf einem Feld mit gutem Satellitenempfang der Versuch! Die Wegpunktdaten des Gerätes noch kurz auf einem Computer gesichert und dann die Tastenkombination! Wiederauferstehung!:-) Unser heissgeliebtes Gerät führt nun einen zweiten Namen „Phoenix“!

Wir haben eine weitere Schotterstrasse nach Westen entdeckt. Versuchen am Ende dieser, eine kleine Piste durch das Gebirge zu finden. Die Thermen der Umgebung haben bereits auf Winter umgestellt und wir entschliessen uns am Beginn der kleinen Piste die Nacht zu verbringen.

Der nächste Morgen überrascht uns mit tollen Eiskristallen die förmlich über Nacht aus dem Boden gewachsen sind. Der Versuch die kleine Piste zu fahren endet bereits nach einer kurzen Strecke. Ein Tor das verschlossen ist. Es ist vielleicht auch besser so, denn die Piste dürfte für den Duro gerade noch so machbar gewesen sein. Wir sind jedoch etwas gross und auch vielleicht zu schwer auf der Hinterachse. So wird die Strasse geschont und wir erfreuen uns weiter südlich in Curacautin mal wieder etwas einzukaufen. Vielleicht gelingt uns ja die Piste in einem grossen Bogen nach Osten von Norden her zu erreichen? Unterwegs stoppen wir in der Andenrose, einem bayrisch geführten Hotel und kurz darauf im Suizandino, einem typisch schweizerisch aufgebauten Hotel. Nette Kontakte und Austausch mit den Besitzern und dem Personal.

Ausgestattet mit einer detaillierten Vulkankarte besuchen wir das Gebiet des Lonquimay. Ein tolles Gebiet und einfaches Skigebiet für die Einheimischen. Wir finden einen tollen Nachtplatz mit klarem Sternenhimmel und fast Neumond. Am nächsten Morgen dann die Fahrt zum etwas kleineren Krater Navidad. Wir entschliessen uns, diesen 1988 zum letzten Mal ausgebrochenen Vulkan, zu besteigen. Bei tollem Wetter und einfachem Weg stehen wir schon bald am Kraterrand und bemerken den Rauch und die Wärme! Die Sicht rundherum und über den Lavastrom nach Nordosten ist grandios.

Noch immer möchten wir nach Nordosten fahren. Finden eine Piste und versuchen den Fluss Bio Bio zu erreichen und zu überqueren. Werden unterwegs von zwei netten Parkmitarbeitern zu unserer Reise befragt und informiert, dass es ein Brücke und kurz danach ein Tunnel gäbe, doch der Duro wohl da nicht hineinpassen dürfte. Wir hofften schon ev. eine nette Flussdurchfahrt machen zu können! Es zeigte sich dann jedoch, dass das Infoschild zur Tunneldimension zwar gepasst hätte, kurz im Tunnel drin dann stehen wir oben mit der Kabine an:-( Ja ein Versuch war’s wert! So schliessen wir diese Tagestour halt nach Südosten ab und verbringen eine zweite tolle Nacht nahe dem Skigebiet. Der Platz ist noch der gleiche und der herrliche Sternenhimmel ist auch noch da. Tags darauf kommen wir nochmals am den zwei Hotels vorbei und verbringen eine Nacht in der Andenrose. Die Katzen und der Hund geniessen unsere Anwesenheit sichtlich. Der Duro kriegt die Rückspiegel wieder neu fixiert.

Wir entschliessen uns, den Glühkerzen, die weiter südlich ankommen sollen, etwas entgegen zu fahren. So schlagen wir einen Kurs nach Südwesten ein und verbringen am Pazifik in Valdivia und Umgebung weitere schöne Nächte. Den Fischmarkt mit den fettgefressenen Seelöwenmännchen besuchen wir ebenfalls.

Dann die langerwartete Nachricht! Die Glühkerzen sind da! In drei Stunden können wir da sein und dürfen diese direkt auf dem Hof von der Familie Vyhmeister einbauen. Der Ersatz ist bald vollbracht und der Duro startet wieder wie ein Neuwagen!
Herbert, herzlichen Dank dir, deiner Familie und den Mitarbeitern für die grossartige Unterstützung! Auch haben wir den netten Abend und den Austausch mit euch sehr genossen!

Wir entschliessen uns, unsere neuen Glühkerzen auch dem universo und dem Matzmobil zu präsentieren. Weiter nördlich, es liegt an unserer Route, fahren wir unangemeldet nochmals auf das universo. Das Matzmobil ist zwar gerade in Revision auswärts, doch Ruth, Fredel und die lieben Katzen sind da! Ein herzliches Wiedersehen und ein netter weiterer Austausch! Danke für den Nachtplatz und das Füllen unseres Wasservorrates! Wir kennen uns ja fast schon etwas aus da. Besuchen das feine Café in Villarrica und verabschieden uns nun definitiv nach Norden.

So fahren wir zielgerichtet nach Santiago. Auf der Ruta 5, einer Autobahn wie sie es in Europa nicht geben würde. Da fahren Fahrräder, Busse halten an den Haltestellen gleich neben der Fahrbahn und immer mal wieder kreuzen Fussgänger die Strasse. Auch trauen sich ab und zu Hühner der Ruta 5 ganz nahe. An den Zahlstellen, diese Strasse wird als Privatstrasse geführt, kommen wir günstig als Camionetta durch:-)

Auf einem Abstecher an die Küste gut 300km südlich von Santiago dann das unerwartete! Eingangs einer Ortschaft, es geht leicht bergab auf einer Betonstrasse ein Knall hinten rechts. Der Duro geht in die Knie und der Reifen wird von der Felge auf die Fahrbahn gequetscht! Wir können gleich nach der Kurve anhalten und uns etwas über den Schock beruhigen. Der zerfetzte Reifen hat uns den Deckel des Kastens hinten weggerissen und das Fach ziemlich ramponiert. Wir finden den Deckel und den Inhalt verstreut wieder.

Die Strassencrew, die gleich nebenan auf eine neue Ladung Asphalt gewartet hat, kommt sogleich zur Hilfe und unterstützt uns beim Radwechsel. Ja eine Reparatur dieses Reifen ist nicht möglich. Da kann nur ein Ersatz Hilfe leisten! Herzlichen Dank der helfenden Crew. Wir bedanken und mit etwas Schokolade und einem Taschenmesser. Ja da haben wir also ein neues Projekt:-)

Geniessen die kommenden zwei Nächte jedoch an der Küste nahe Constitución. Das Fach hinter dem Rad ist zum Glück recht schnell repariert. Tolle Wellen und interessante Begegnungen mit Fischern und Surfern runden den Küstenausflug ab. Die Sonne lacht uns an und wir können das Thema Reifen etwas zur Seite schieben.

Wir versuchen im Internet Infos zu einer Reifenbeschaffung in der Umgebung zu finden. Schon bald stellt sich jedoch heraus, dass ab Montag in Santiago die grösste Chance besteht! In einem schönen Nationalpark nahe der grossen Mine El Teniente, nehmen wir mal den geplatzten Reifen von der Felge. Die Felge kann zum Glück mit einer Feile ausgebessert werden. Da können wir uns zumindest den Ersatz oder eine Reparatur sparen. Wir finden im Internet unter Michelin Chile eine Werkstätte mitten in der Stadt. Wir erklären dem netten Besitzer und dem Personal unser spezielles Anliegen. Das System bei Michelin kommt denn auch mal kurz zum Erliegen, denn es wird intensiv von vielen nach unseren Reifen gesucht:-) Es gäbe Hoffnung und wir sollen doch am nächsten Tag nochmals vorbeischauen!

Wir sind gemischter Gefühle und schreiben denn auch sicherheitshalber mal ein E-Mail an unsere Kontakte in der Schweiz, ob Ersatzreifen in Europa organisiert werden könnten. Wir verbringen die Nacht sehr nahe dem Stadtzentrum auf einem Parkplatz. Wir stellen die Angestellten etwas vor gemachte Tatsachen. Unsere Freunde hätten da auch schon übernachtet und wir möchten nachts nicht gerne fahren… Also dürfen wir nach etwas „jammern“ die Nacht mitten auf einem abgeschlossenen Parkplatz verbringen! Uns wird schon niemand etwas vorbeibringen!

Zum Glück regnet es tags darauf etwas weniger! Die Strassenentwässerung hat gestern teilweise kapituliert. Der Duro, und Simon, hatten ihre Freude an den tiefen Pfützen:-) Zurück bei Reifenhändler DIE Überraschung! Es gibt gerade noch drei der gewünschten Reifen in Chile, ja sogar in Santiago! Sie seien vor ein paar Jahren für das Militär noch gebraucht worden, heute sind sie jedoch „gut“ abgehangen unsere schnelle Rettung! Wir entscheiden uns zwei dieser Reifen für die Hinterachse zu kaufen. Diese haben eine etwas höhere Tragfähigkeit als die vorher montierten, neues Profil und einen europäischen Preis. Klar der Händler hat sich eine Europäische Preisidee aus dem Internet geholt. Wir freuen uns trotzdem ab dem riesigen Glück, welches wir mal wieder haben!

Wir finden nach etwas langer Suche dann einen Parkplatz für die nächste Nacht nördlich von Santiago. Ja eine Grossstadt wie diese weitet sich in viele Richtungen aus und wir bemerken die Auswirkungen wie viele andere auch. Der Reifenwechsel ist eigentlich keine grosse Sache. Wir werden persönlich zum Freund des Reifenhändlers eskortiert. Mit den richtigen Einrichtungen und Maschinen ist die Sache schnell vollbracht und wir sind wieder bereit für alles was noch kommt! Herzlichen Dank an alle Beteiligten, die uns bei dieser Herausforderung unterstützt haben! Wir entschliessen uns, vorläufig zusätzlich zum Ersatzrad noch einen etwas angebrauchten Reifen mitzunehmen. Vielleicht sind wir um diesen weiter nördlich nochmals froh, oder aber zeigen ihm dann halt einfach Südamerika:-)

So entschliessen wir uns nach Nordosten über den Paso Cristo Redentor, nahe dem Aconcagua, nach Argentinien zu fahren. Der Pass führt nahe dem höchsten Berg Südamerikas nach Osten über und durch die Anden. Ein Tunnel soll auf etwas über 3000müM. die Überfahrt vereinfachen. Doch schon bald werden wir informiert, dass die vielen Niederschläge der vergangenen Tage dort oben in Form von zu viel Schnee gefallen sind. Frühestens abends ab 20h des nächsten Tages sei eine Fahrt nach Osten möglich. Schade, möchten wir uns Aconcagua doch bei Tage anschauen.

Wir hoffen auf eine Überfahrt am nächsten Tag und sind denn auch früh genug an der Strassensperrung. Ja wir werden sofort nach unserer Reise ausgefragt… Es gibt da ein paar Argentinier und Brasilianer, die bereits seit Sonntag über den Pass wollen. Ja da unten im Tal hat es noch dutzende Lastwagen, die auch möchten…! Es sind verschiedene Informationen in der Luft. Unsere Info mit 20h nachts wird denn nach dem Besuch bei den Carabineros „gelöscht“. Der Pass bleibt mindestens bis nächsten Sonntag wegen erneutem Schneefall gesperrt!

Da wir ja fast alle Zeit der Welt haben, also ein neuer Plan für uns. Einen kleine Strasse, die uns auf der Karte nahe zum Aconcagua führen sollte, eröffnet sich uns bald als Privatstrasse zu einer Mine. Ja es gäbe da auch mal einen Goldtransporter der ins Tal fahre. Doch wir können nicht näher an den Berg und dürfen die Nacht an einem Bach in einem früheren Steinbruch verbringen.

Tags darauf fahren wir, nach ein paar Abklärungen für Kochgas und mobiles Internet, nördlich von Valparaiso an den Pazifik. Hier finden wir in der Dämmerung, an einem noch nicht überbauten Hang, einen netten Nachtplatz. Strassen und ein paar wenige Häuser sind bereits da, jedoch noch keine Barriere. So stellen wir uns gut positioniert hin und geniessen die Geräusche des welligen Meeres.

Wir hoffen auf ein paar ruhigere Wochen betreffend Teilebeschaffung und werden versuchen anfangs nächster Woche dann nahe dem Aconcagua nach Mendoza in Argentinien zu fahren.

Liebe Grüsse aus Chile auf etwa 33° südlicher Breite.
Unterwegs auf neuen Reifen hinten; Angelika und Simon