Süd Bolivien & Atacama Chile

Bolivien, in neuen Höhen

Die Stadt Salta haben wir also Richtung Norden verlassen. Noch eine zünftige Ladung Diesel getankt und den Wassertank randvoll gefüllt. Wir brechen nach Norden auf, da eine Andenüberquerung nach Westen, nach Chile, wegen zu viel Schnee noch nicht möglich ist. Wir fahren die tolle, in einem steilen Waldgebiet angelegte Hauptroute, nach Norden und biegen auf Höhe der Termas de Reyes nach Westen ab. Die Termen, es ist Sonntag, sind von vielen Einheimischen besucht, daher ziehen wir die einspurige Strasse steil bergauf zu einem schönen Bergsee. Nach einem Spaziergang um den kleinen See dunkelt es bereits ein und wir verbringen die Nacht ein weiteres Mal irgendwo in der Natur.
Am nächsten Tag führt uns die Ruta 9, welche vor kurzer Zeit noch Ruta 40 genannt wurde, weiter nach Norden. In der Ortschaft Tilcara fahren wir erst mal mitten hinein an die Plaza und geben ein paar Postkarten im Postbüro auf. Diese Stadt lebt zu einem grossen Teil vom Tourismus, den schönen Museen und die wundervoll wiederaufgebaute Wehrstadt Pucará de Tilcara. Strategisch bestens auf einem Hügel platziert war das Tal hier vor vielen Jahren das erste Mal bewohnt. Auf dem Hügel ausserhalb der Stadt sind im 20ten Jahrhundert weitgreifende Ausgrabungen unter anderem von Italienischen Experten durchgeführt worden. Auch sind ein Teil der Gebäude wieder authentisch aufgebaut worden. Es gibt jedoch noch immer ein grosses Gebiet, welches noch nicht erforscht ist und für spätere Entdeckungen aufgespart wird. Wir geniessen auch einen angenehmen Spaziergang im botanischen Garten unterhalb der Wehrstadt. Die Temperaturen sind angenehm mit einer steten Brise Wind.

Wir befinden uns in einem Hochtal das nach Norden verläuft. Die nächste Nacht wieder abgelegen der Hauptroute und tags darauf den „Tropic of Capricorn“, den Sonnenwendekreis des Südens überfahren. Auf diesem Breitengrad steht die Sonne einmal im Jahr genau senkrecht im Himmel. Dies am längsten Tag, dem 21. Dezember. Wir sind jedoch ziemlich genau ein halbes Jahr später hier unterwegs und erleben deshalb die Sonne mit tiefstem Himmelsstand. Wir sind im südlichen Winter unterwegs, was wir an recht kurzen Tagen bemerken.

Wir bemerken eine Änderung der Vegetation und fahren langsam hinauf auf das so genannte Altiplano, das sich von Norden her aus Bolivien erstreckt. Wir haben uns entschlossen, nach Bolivien im Norden zu fahren und von da aus in einem Bogen nach Westen zurück nach Chile zu fahren. Wir treffen in der sehr unbeschäftigten argentinischen Grenzstadt La Quiaco ein. Wir können keinen argentinischen Diesel tanken, weil wir nicht mit Kreditkarte zahlen können. Die Tankstelle südlich der Stadt hat uns zur Tankstelle im Zentrum geschickt, da würde dies gehen, jedoch würde diese Tankstelle uns genau zur anderen schicken, denn auch da ist kein Tanken mit Karte möglich. Also sparen wir uns einen Gang zum Geldautomaten und tanken nicht. Der Grenzübertritt nach Bolivien ist eigentlich nichts Spezielles. Haben wir doch schon einige Übertritte hinter uns. Nur sehen wir auch schon vom Grenzposten aus, warum in Argentinien nichts los ist. Gleich drüben der Grenze werden Waren in Fülle angeboten. Mit dem bolivianischen Preisniveau können die Argentinier nicht mithalten.
Wir fahren also in eine für uns noch nicht bekannte Gesellschaft und sind ab den ersten Eindrücken schwer beeindruckt. Eine total andere Gesellschaft. Wir parken gleich an der Plaza und finden gleich einen Geldautomaten. Wir beziehen erst mal je 500 Bolivanos. Haben nämlich noch keinen Eindruck vom Wechselkurs zum Schweizer Franken. Kurze Zeit später sind wir dann auch mit dieser Info ausgerüstet, und stellen fest, dass man mit 500 Bs umgerechnet 70 CHF kriegt:-).
Auch finden wir zu unserer grossen Überraschung ein offenes Internet und beziehen gleich ein Portion Daten in Form von E-Mails und senden ein paar Neuigkeiten ins Facebook.
Wir haben unsere Reserven voll, und beschliessen aus der beschäftigten Stadt Villazón nach Norden weiter zu fahren. Eine ganz neue Art des „Strassengebühr-Eintreibens“ erleben wir ausgangs der Ortschaft. Auf asphaltierten Strassen besteht eine Gebühr. Man gibt das gewünschte Ziel an und bezahlt ein paar Bolivanos. Wir stellen jedoch bald fest, dass die Fahrzeuggrösse und auch unser angegebenes Ziel nicht reichen, und wir bei der nächsten Zahlstelle, dann noch den Restbetrag zahlen. Ja wir versuchen dieses System zu durchschauen und auch die korrekte Klassifizierung unseres Fahrzeugs zu erhalten…

Kurze Zeit später entdecken wir eine Fahrspur seitlich der Hauptroute hinter einen Hügel. Wir biegen ab und ein Rückenwind bläst uns die Gummi-Kotschutzlappen der Vorderräder mit einem unschönen Geräusch ins grobe Reifenprofil. Ich, Simon der Fahrer zu dem Zeitpunkt, möchte mir mal anschauen, wie stark sich der Gummi verbiegt und was das Geräusch denn verursacht. Die Fahrertür wird geöffnet und direkt vom „Rückenwind“ erfasst und ganz nach vorne aufgeklappt. Ja so weit, dass nun der Türstopper und die Halterung des oberen Türscharniers deformiert sind! So wird dann nach dem Finden einer ebenen Fläche für die Nacht die Tür demontiert, der gerissene Bereich Kabine gerichtet, die Tür montiert und neu ausgerichtet. Mal wieder grosses Glück gehabt und weiteres Unheil blieb uns erspart. Die Nacht war eine weitere kühle und windige, doch wir genossen diese in einem neuen Land unserer Reise.

Wir sind auf einer Hauptverkehrsachse Richtung Norden in Bolivien unterwegs. Es ist eine abwechslungsreiche Fahrt mit vielen Steigungen und Gefällen. Wir ziehen langsam nach Potosí, einer alten und bekannten Minenstadt in über 4000m Höhe! Wir versuchen südlich der Stadt eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, was diesmal leider nicht gelingt und wir entscheiden, nördlich der Stadt an einem warmen See zu nächtigen. Die Strecke dahin ist jedoch weiter als angenommen und so kommen wir in Dunkelheit da hin! Ja auch hier kann eine Strecke auf einer Karte schon mal unterschätzt werden.

Uns sind von Anfang der Reise in Bolivien die vielen Volvo Lastwagen aufgefallen. Der Importschlager für alle Lastwagenfahrer müssen die Volvos der Skandinavischen Länder sein. Dies erkennen wir an den alten Nummernschilder oder Beschriftungen, die noch an vielen der Lastwagen umher gefahren werden:-)

Die folgenden zwei Tage geniessen wir am Auge der Inka (Ojo del Inca) und baden im 30grad Celsius warmen Wasser. Werkeln am Duro und spazieren in der Umgebung. Nebenan sind zwei französische Reisefahrzeuge die ebenfalls Südamerika bereisen. Wir unterhalten uns gut und tauschen auch hier die besten Erlebnisse und Erfahrungen aus.

Da wir schon in der Nähe sind, soll auch gleich die Stadt Sucre, etwas nordöstlich gelegen, besucht werden. In Pototsi, dieser pulsierenden Minenstadt können wir uns nicht richtig zurechtfinden und fahren, nach einer kurzen aus dem Auto-Besichtigung, weiter nach Sucre. Auch diese Fahrt dahin ist durch tolle Gegend mit vielen Steigungen und steilen Gefällen, an denen wir versuchen die Bremsen des Duro zu schonen. Oft geht’s nicht schneller bergab wie bergauf:-)

Zufällig sehen wir in unserem GPS-Gerät einen Hinweis auf eine Campingmöglichkeit sehr zentrumsnah in Sucre. Jedoch sollen wir bei einem braunen Tor anfragen, denn es gäbe kein Hinweisschild. Das ist genau das richtige für uns. Mal wieder etwas rumfragen, diverse Personen ansprechen, ob sie vielleicht Alberto und Felicitas kennen würden. Wir hatten einen Wegpunkt in unserem Gerät, der nicht besonders genau platziert war.
Siehe da, wir schaffen es und finden ein kleines Paradies in Sucre. In einem privaten Hof mit einem kleinen Haus, allen Annehmlichkeiten und Internet. In den Gästebüchern sehen wir, dass viele Reisende vor uns auch schon dieses Paradies gefunden haben.
Dieses wird privat angeboten, wir kriegen einen Schlüssel und sind nach zehn Minuten Gehzeit mitten in der Stadt.
Sucre bietet mit Märkten und weiteren Annehmlichkeiten einer Stadt eine tolle, angenehme Abwechslung. Hier können wir unsere Wäsche mal wieder waschen lassen und bei einem Schuhmacher auf der Strasse einer unserer Befestigungsgurten neu nähen lassen. Dieses „Providurium“ hat nach drei Monaten leider etwas gelitten und der Gurt musste etwas gekürzt werden, damit unser Dieseltank weiterhin hält…:-)

Wir entscheiden uns, den touristisch gut aufgezogenen Ausflug an den Sonntagsmarkt nach Tarabuco zu unternehmen. Dies mit einem Bus der uns die gut 90 Kilometer hinfahren soll. So treffen wir eine nette Ladung Touristen im kleinen Bus, der uns gemütlich aus der Stadt bringt. Auch hier viele Steigungen und schöne Landschaft mit einfachen Häusern und wenig Viehzucht und Ackerbau. Da, der Bus wird immer langsamer und hält schlussendlich auf einer ebenen Strecke an. Der Fahrer setzt seine Begleiterin auf den Sitz, lässt diese die Fussbremse drücken und steigt aus…
Da warten wir im Bus, der Fahrer steht hinter dem Bus auf der Strasse und telefoniert…
Es steigen die ersten Passagiere aus und verschwinden mal für eine Notdurft in den Feldern. Keine weitere Info… Wir steigen auch mal aus und ich frage mal nach ob’s denn ein Problem gäbe? Die Luftdruckunterstützung der Bremse funktioniere nicht mehr…!
Der Fahrer kann einen Bus, welcher noch ein paar Stehplätze anbieten kann, aufhalten. Ein paar seiner Kunden steigen da ein und wir warten weiter…
Da hält ein Fahrer mit einem Toyota Pickup, der auf der Ladefläche noch leer ist. Wir springen auf und fahren mal in die Ortschaft an den Markt! Wir kennen ja die Abfahrtszeit nach dem Markt zurück. Vielleicht ist unser Bus ja dann da und kann uns nach Haus bringen? Eine windige Fahrt auf der offenen Ladebrücke bereichert unsere Reise auf eine weitere, wundervolle Art. Der Markt ist gross angelegt und vor allem auf Touristen aufgerichtet. Viele schöne Handwerksgegenstände und Textilobjekte werden angeboten. Viele weissgekleidete Zahnarztstudenten hängen handgeschriebene Plakate auf: „Heute, beim Spital, ZÄHNEZIEHEN, GRATIS!“:-)

Wir können uns zum Glück diesen Service ersparen und verköstigen uns an einem der kleinen Essstände und geniessen die illustre Gesellschaft. Angelika findet eine tolle, gewobene Decke. Schnell ist die Zeit vergangen und wir schlendern langsam zum Busparkplatz. Da wird uns noch in einem Restaurant bei einem Getränk etwas Folklore aus Bolivien geboten. Der Bus steht wieder da und wir können eine sichere Rückfahrt nach Sucre geniessen. Irgendeine Sicherung der Kompressor Steuerung war defekt. Das kommt uns irgendwie bekannt vor aus dem DURO:-)

Sucre und unser Paradies lassen uns einen weiteren Tag da verweilen und wir treffen denn auch unerwartet das Team Moglander.com. Sie finden das braune Tor etwas zielgerichteter, doch passen mit ihrem breiten Aufbau nicht in die Oase, und parken kurzerhand draussen auf der Strasse. Ein schönes Wiedersehen mit Sarah und Merv aus Irland und ein unterhaltsamer Abend in der Stadt…

Die Zeit in Sucre ist dann wie bei vielen vor uns, etwas länger ausgefallen und wir fahren ausgerüstet mit einem neuen Luftfilter für Duro und ein paar 10Ampére Sicherungen mehr nach Südwesten, Richtung Salar de Uyuni. Dies ist eines unserer Highlights auf unsere Reise in Südamerika!
Die Stadt Potosí besuchen wir nicht weiter, beziehen an einem Geldautomaten etwas Bargeld und investieren gleich nebenan in Treibstoff. Wir versuchen 200Liter Diesel zu einem guten Preis zu kriegen. Es gelingt uns, sogar unter Anwesenheit eines Polizisten, einen für alle beteiligten, guten Preis ohne Quittung auszuhandeln…:-).
Ja das soll einer verstehen, doch uns soll’s recht sein? Offiziell gibt’s einen einheimischen und einen Ausländerpreis. Der Unterschied ist auf dem Papier Faktor drei.

Eine weitere tolle Fahrt durch die Berge und langsam an die grosse Ebene des weltgrössten Salzsees! Wir geniessen die Fahrt und kommen gegen Abend in Uyuni, östlich des Salar an. In einem alten Eisenbahngelände südlich der Stadt wurden, und werden ausgediente Fahrzeuge abgestellt. Die älteren sind stattliche Dampfloks und sind fast ein Museum. Viele besuchen diesen Ort und machen wie wir ein paar Fotos dieser Stahlreste.
In der Stadt decken wir uns mit ein paar Frischprodukten ein und brechen nach Norden zu einer Auffahrt auf den Salzsee auf!

Eine staubig-holprige Piste verlangsamt unser Vorankommen und wir verbringen eine letzte Nacht vor dem Salzsee. Ganz nahe und in feinem Staub…

Der nächste Tag lässt dann unsere Herzen wegen der Vorfreude schneller schlagen! Wir sind da! Auf dem schon so oft gesehenen Salzsee! Die Auffahrt im Osten können wir um die Salzkegel der Salzgewinner trockenen Reifens machen. Wir gewöhnen uns schnell an den hell leuchtenden weissen Untergrund und beschleunigen unsere Fahrt. TOLL, auf dieser Ebene einfach dahin zu fahren. Wir halten Ausschau auf die berüchtigten „Augen“ in denen wir im Salzwasser einsinken könnten. Da es jedoch viele Toyota Tourfahrzeuge mit uns auf dem See hat, können wir uns an anderen Spuren orientieren. So geniessen wir einen ersten Tag mitten auf dem See. Halten irgendwo an und schiessen die obligaten Fotos:-) Auch können wir unsere mitgebachten Drachen steigen lassen. Der Wind ist nicht so stark, doch für diese Drachen reicht’s gerade!

Die Nacht ist toll in dieser aussergewöhnlichen Umgebung! Ein weiterer Tag auf dem glänzen Weiss und ein paar Besuche auf den umliegenden Inseln. Wir halten immer einen grossen Abstand zu den gefürchteten Uferbereichen bei den Inseln. Sehen wir doch zu Fuss die Spuren einiger Fahrzeuge, die im Schlamm zu den Inseln stecken geblieben sind. Das möchten wir uns und dem Duro ersparen:-)

Wir geniessen die spezielle Atmosphäre und versuchen möglichst feinen und glatten Untergrund zu finden. Wir stellen bald fest, dass der See verschiedene Oberflächenstrukturen aufweist. Die für uns schönste, hatten wir denn auch am ersten Tag auf dem Salz:-)

Der Plan, nochmals nach Chile zu fahren und uns die Wüste von Atacama anzuschauen, setzen wir mit einer Fahrt nach Süden um. Auf der Stecke an einen bolivianischen Grenzübergang kommen wir an bekannten Lagunen vorbei. Wir machen sicherheitshalber noch einen weiteren Dieseltankabstecher in eine etwas grössere Ortschaft und befahren diverse Pisten. Da wir nicht die einzigen sind, finden wir teils heftiges Wellblech vor! Die vielen Tourfahrzeuge, meist Toyota Land Cruiser, fahren mit uns um die Wette. Hohe Höhen, viel Staub, enge Kurven und tolle Aussichten. Die Lagunen sind vielfältig gefärbt und in ihnen leben einige Vogelarten. Die optisch speziellsten sind die Flamingos. Diese können wir nahe am Ufer an der Laguna Colorada bestaunen und gut beobachten. Wir sind denn auch so frei und parken eine Nacht direkt am Ufer! Die Vogelwelt ist den ganzen Tag über beschäftigt mit Futtersuche. Wir sind es mit Fotografieren, Staunen und Geniessen:-)

Der Weg, oft eben ganz in schlechtem Zustand, führt uns vorbei an einer Borax-Mine. Diese ist etwas abgelegen, doch wir sollen da die Papiere für unser Fahrzeug stempeln lassen. Dies kommt uns soweit gelegen, dass wir damit einen neuen Höhenrekord auf dieser Reise befahren können! 5048müM zeigt unser GPS Empfänger auf dem höchsten Punkt:-) Wir bewegen uns mal wieder schön langsam um nicht ausser Atem zu kommen. Das Zollgebäude liegt bei der Mine und ist nur da, weil dort Erdwärme eines nahen Vulkans vorhanden ist, die Gebäude angenehm wärmt und eine Internetverbindung für das System der Fahrzeugimportdaten besteht. Dieser kleine Abstecher hat uns also zum Rekord geführt!

An der Laguna Verde, eine viel erwähntes Ziel ganz im Südwesten Boliviens, finden wir gerade mal einen letzten Flamingo, ein paar Möwen und eine Eisfläche vor. Wir schlafen eine Nacht an der Lagune, gut 4300müM und hoffen, dass die abendlichen Wolken und der Schneefall uns nicht kurz vor der Grenze zum Umdrehen zwingen! Die kalte Nacht vergeht, wir schlafen nicht so gut in diesen Höhen, und der nächste Tag zeigt sich wolkenlos! Wir brechen auf, die nahegelegene Grenze nach Chile zu überqueren!

Beim abgelegenen, kleinen Zollgebäude stehen verloren einige Touristen umher, ein paar Tourfahrzeuge habe sie hingebracht. Sie warten auf einen Bus aus Chile, der sie abholen soll… Sie warten, wir treffen ein und werden sofort gefragt, ob sie mit uns fahren könnten? Der Bus komme nicht… Zuviel Schnee… Grenze zu… und so weiter!
Der Zollbeamte teilt uns jedoch mit, dass wir mit dem eigenen Fahrzeug durchfahren können. Die Fahrt nach „unten“ müsste gehen…!
Es gibt, da der Beamte von uns eine Ausreisegebühr verlangt, und wir nach einem offiziellen Dokument, einer Preisliste oder so was Ähnlichem fragen, eine unschöne Diskussion! Wir geben nach, können schlimmeres verhindern und bezahlen die Gebühr. So nahe am Ziel! Wir hätten eine lange Strecke nach Norden zum nächsten Grenzübergang nach Chile vor uns gehabt…!

Die Fahrt auf die asphaltierte Strasse und hinab nach San Pedro de Atacama ist problemlos zu befahren! Wir sehen jedoch keinen Bus, der sich nach Bolivien aufmacht. Denn es ist die Strasse unten auf der Ebene abgesperrt. Wir werden denn auch mit grossen Augen gefragt, ob wo wir denn herkommen? Die Grenze sei doch nach einer E-Mail Info, die am Zoll in Chile vorliegt, gesperrt und wegen Schnee nicht befahrbar…!

Ja wir können nur was anderes mitteilen und hoffen, dass auf unsere Info, dass da Reisende mit Busticket an der Grenze stehen und warten, auch jemand entsprechend handelt! Leider sind ja die grenzüberschreitenden Kontakte der Länder hier nicht besonders freundlich. Wir sind einmal mehr die Glücklichen und treffen auf etwa 2500müM. in San Pedro de Atacama auf „Zivilisation“:-).

In einem schönen Campingplatz richtigen wir uns ein und besuchen die recht touristische Ortschaft. Ein Abendessen auswärts, und neue Eindrücke aus dem eigentlich bekannten Chile. Nach dem doch etwas anders daherkommenden Bolivien geniessen wir einen erholsamen Tag. Tags darauf begeben wir uns nach Norden zum weltweit höchst gelegenen Geysirfeld der Welt. Wir verbringen unsere Zeit um San Pedro de Atacama, weil wir einen Besuch in der grössten Kupfermine planen. Da dies auf grosses Interesse stösst, ist ein Besuch auf ein paar Tage später erst möglich. Wir haben noch keine Bestätigung und geniessen die Zeit deshalb in den Bergen. Das Geysirfeld liegt auf etwa 4300müM. und ist früh morgens, zwischen 6 und 7 Uhr am aktivsten. Wir kommen abends kurz vor Schliessung des Feldes an und dürfen gleich beim Eingang übernachten und morgens früh in die Kälte zum Feld runterfahren. Wir haben Informationen, dass man direkt am Feld übernachten kann. Doch das ist nicht mehr möglich. Hat vermutlich jemand mal wieder etwas überbordet…

Die Nacht war kalt und der frühe Morgen liess uns warm angezogen dann mit viel Rauch (mal wieder vom Duro) ins Feld runter fahren. Die Nacht war noch ganz dunkel. Viel Dampf und heisses Wasser war beeindruckend in der Gegend. Die Touristen kamen auch pünktlich auf die grösste Aktivität. Dies ist nur früh morgens so spektakulär, weil dann die kalte Luft den Dampf kondensieren lässt, und gefrorenes Grundwasser ebenfalls zu heftigen Reaktionen mit der aufsteigenden Hitze tief aus dem Boden führt.
Wir waren selten früh in dieser Reise aufgestanden und gönnten uns, wie viele andere Anwesende, nach Sonnenaufgang ein leckeres Frühstück.

Nach kurzer Zeit waren dann die ersten Busse am netten und warmen Schwimmbad und wir beobachteten die Szene aus Entfernung. Aus unserem Reiseführer und unseren Angaben aus dem GPS-Gerät entschlossen wir uns, eine kleine Strasse nach Norden zu befahren und die grosse Minenstadt Calama aus Nordosten anzufahren!
Es ging los auf einer überraschend guten Piste, die jedoch schon bald an einem Hang entlang mit einigen Sandhaufen überschüttet war. Die seitlich des Hangs folgende horizontale Piste wurde dann jeweils seitlich abfallend. Unangenehm für die Überfahrt jedoch noch immer im sicheren Bereich für unser Gefährt.
Die Piste führte über neue Gegenden und wurde immer schmaler. Was zu erwarten war führte dann dazu, dass in einer steil abfallenden Passage grosse Steinbrocken auf die eh schon schmale Fahrspur gefallen waren. Ein Wenden war an dieser Stelle nicht möglich! Es gelang uns ein Durchkommen nachdem wir an einem grossen Brocken mit dem wichtigsten Werkzeug, dem grossen Hammer, ein paar Ecken abschlagen konnten. Es konnte nur noch schlimmer kommen! Ja, die Piste war in einer Schlucht soweit weggespült, dass an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken war! Hier mussten und konnten wir dann Umdrehen und uns die Strecke nochmals zu Herzen führen.
Strecke vorherige Passage nochmals zu Gemüte führen.
Unsere mentale Situation wurde auf die Probe gestellt! Wir meistersten jedoch das Durchkommen auch in die Gegenrichtung und versuchten unsere Nerven bei einem Mittagessen zu beruhigen. Zu guter Letzt wurde dann gleich noch eine Reparatur der elektrischen Leitung der Motorbremse erledigt und unsere Nerven waren einigermassen wieder beruhigt! In Zukunft werden wir früher die Situation besprechen und daraus unsere Weiterfahrt umplanen. Der Duro hat jedoch seine Geländetauglichkeit bewiesen und uns auch gezeigt, dass ein grösseres Fahrzeug in solchen Situationen nicht brauchbar wäre.

Wir fuhren auf bekannter Strecke zurück in tiefere Lagen gefahren, zum nächsten Höhepunkt, um den Sonnenuntergang beim Valle de Luna zu bestaunen. Ausserhalb der Ortschaft San Pedro de Atacama besuchen jeweils viele Touristen eine Plateaukante für dieses Spektakel. Unser Nachlager war dann auch gleich auf diesem Parkplatz wo wir eine weitere Nacht ganz alleine verbringen konnten:-)
Die Gegend südlich von San Pedro glänzt auch die eine riesige Ebene, den Salar de Atacama. Darin sind einige Vögel auf Besuch und es gibt hier auch Flamingos. Nicht so viele, doch friedlich auf Futtersuche und von nahe gut zu Fotografieren.
In der Nähe finden wir einen schönen Nachtplatz und tags darauf bewundern wir in einer Schlucht tolle Felszeichnungen. Wir besuchten die Schlucht zu Fuss und erfreuten uns der alten Bilder.

Wir tummeln noch etwas um San Pedro rum, weil wir noch auf die Möglichkeit der Kupferminen Besichtigung warten. So bemerken wir, dass der Zirkus „Espectulares Hermanos Fuentes Gasca“ in der Ortschaft zu Besuch sind. Tickets sind gekauft und wir freuen uns auf ein Spektakel der etwas anderen Art. Die Vorstellung erfüllte unsere Erwartungen vollkommen und wir genossen eine Vorführung der südamerikanischen Zirkuskunst. Auch davon wurden ein paar Fotos geschossen:-)

Auf dem Campingplatz mit gutem Internet verbringen wir den Sonntag, schreiben an diesem Bericht und unterhalten uns mit den Gästen nebenan, frühere Reisebekannte aus Deutschland und ein weiteres Reisepaar unterwegs nach Norden. Ebenfalls aus Deutschland, und nun mit einem eben geschweissten Rahmenbruch am Nissen Pickup mit Wohnkabine drauf, wieder glücklich bereit für neue Abenteuer.

Die Zeit vergeht und wir hoffen auf eine baldige Besuchsmöglichkeit in der grossen Mine bei Calama.
Bis dahin euch allen, zuhause oder sonst wo unterwegs, Alles Gute und bis demnächst!
Angelika und Simon