Nord Bolivien & Nord Peru

Bolivien um La Paz und Peru

Wir versuchten einen Besichtigungstermin in einer sehr grossen offenen Kupfermine nahe der Ortschaft Calama zu kriegen. Doch es scheint, dass in der jetzigen Zeit ein grosser Andrang auf diese, durch die Betreiberfirma angebotene Tour, kurzfristig keine Plätze verfügbar sind. Wir wollen versuchen, einen Termin direkt vor Ort im Büro der Betreiberfirma zu kriegen. Also fahren wir aus San Pedro de Atacama Richtung Westen auf in diese Grosse Minenstadt.

Wir hatten kein Glück direkt im Büro der Gesellschaft und kamen zum Schluss, dass diese grosse Mine durch uns einfach nicht besucht werden soll. Vielleicht können wir weiter nördlich was Ähnliches organisieren!?

Wir trafen denn auch auf dem schön dekorierten Camping in Calama auf zwei deutsche Paare unterwegs auf Reise. Wir haben sie schon weiter südlich getroffen und werden sie weiter nördlich wieder sehen. Wir unterhielten uns über die tollen Erlebnisse unterwegs und gönnten uns ein reichhaltiges Abendessen in der Stadt. Grilladen im Überfluss und wir waren dann die letzten Gäste, die durch die Küche das Lokal verliessen.

Die Weiterfahrt brachte uns nach Norden über die Hochebene zum Weltkulturerbe „Santiago Humberstone y Santa Laura“ einem Freilichtmuseum einer Stadt rund um die frühere Salpetergewinnung. Die Besichtigung der Anlagen und Umgebung zeigte uns unter welch erschwerten Umständen früher gearbeitet wurde. Der Zahn der Zeit macht in Wellblechdächer auch tagsüber tolle Sternenhimmel:-)

Wir freuten uns auf einen weiteren Besuch der Pazifikküste bei Iquique. Diese grosse Stadt ist ein wichtiger Importbereich für allerlei Produkte, die dann neben Chile auch nach Bolivien geschafft werden. In einer gross angelegten Zollfreizone gibt’s so fast Alles, was sich ein technikverwöhnter Europäer wünscht. Auch werden unzählige Fahrzeuge aus Japan und China in dieser Zone in neue Hände verkauft. Viel Treibstoff wird auf Lastwagen nach Bolivien umgeladen.

Die Stadt Iquique hat einen netten und schön erhaltenen Stadtkern und die bekannten hölzernen Gehsteige. Wir verbrachten zwei Nächte in einem Areal einer Gleitschirmflugschule etwas südlich der Stadt. Dort trafen wir auf ein weiteres Reisepaar, die wir in Hamburg kurz vor Abgabe unseres Duro für die Schiffsreise, das erste und vorerst letzte Mal trafen. Wir waren per E-Mail in Kontakt und glaubten unseren Augen nicht, als wir Susi und Ruedi in Iquique trafen.

Wir hatten eine grossartige Zeit und tauschten all die Erlebnisse und Zukunftspläne unserer Reisen aus! Susi und Ruedi, wir wünschen euch auf diesem Weg eine tolle Weiterreise und viel Erfolg mit den anstehenden Reparaturen eures Fahrzeuges! Auf ein Wiedersehen mit euch freuen wir uns jetzt schon!

Nach einer angenehmen Zeit in einem anderen Klima am Meer, fahren wir die steile Bergflanke hinter Iquique wieder nach Nordosten zu einem Grenzübergang nach Bolivien. Wir fahren entlang der Grenze zu Bolivien durch weitere Naturschönheiten. Dieses abgelegene Gebiet werden wohl auch die ein oder anderen nachts befahren. So werden wir denn auch bei einer Thermalquelle von zwei „Drogenagenten“ in „fast-zivil“ nach unseren Plänen gefragt. Wie auch immer, wir geben etwas Auskunft und sie wünschen uns eine schöne Weiterreise. Es gibt sicher Produkte aus Bolivien die primär exportiert werden:-)

Am nördlichen Ende Chiles fahren wir dann, nach einer weiteren abgelegenen Nacht, über eine tolle Passstrasse zum Grenzübergang nach Bolivien. Dort erleben wir nach all den Papieren für uns und das Fahrzeug einen übereifrigen Polizisten. Er will nach unserem Feuerlöscher und der zwei Pannendreiecke unsere Fahrzeugapotheke inspizieren! Die grosse rote Kiste hole ich aus dem Wagen und der Beamte legt los! Er kontrolliert unseren Inhalt auf Ablaufdaten! Er sortiert Verbandsmaterial und Heftpflaster und ein paar Alkoholreinigungstücher aus!

Wir versuchen zu erfahren was sein Problem sei. Doch wir merken bald, dass wir mit dem Vorgesetzten sprechen wollen. Dieser komme erst in einer Stunde zurück und so warten wir vor der Barriere, versuchen was zu essen und bereiten uns auf die abschliessende Diskussion vor!

Ja es gäbe da Vorschriften und bei Missachtung Strafen. Abgelaufene Materialien dürfen nicht nach Bolivien etc.! Uns reicht es! Wir mögen nicht weiter über aus unserer Sicht sinnloses sprechen, nehmen eine Schere hervor uns zerschneiden die Produkte die wir da lassen müssen. So fallen diese dann wie verlangt in den Abfalleimer und können nicht weiterverwendet werden! Das würden wir den Beamten nämlich zutrauen… So sind wir um eine weitere (leider unschöne) Erfahrung reicher und versuchen uns wieder zu beruhigen.

Die Fahrt nach El Alto und später nach Hotel Oberland in La Paz führt uns zu einem weiteren grossen Ziel unserer Reise. Wir treffen auf neue Reisende im Hotelparkplatz und können uns mit Marie Theres, Sabine und Freunden treffen. Diese arbeiten seit vielen Jahren für Interteam in Projekten in Dörfern im Hochland Boliviens und begleiten Personen während Spitalaufenthalten in der Grossstadt La Paz. Wir geniessen die Tanzvorführungen der Studenten in La Paz am Samstag und besuchen die pulsierende Stadt.

Wir verabreden uns für den 31. Juli um gemeinsam ins Hochland nach Titicachi zu fahren. Zuvor besuchen wir den Titicacasee und die Pilgerstätte Copacabana. Auf dem Weg dorthin kommen wir in weitere schöne Gegenden und ein weiteres Mal mit einer Polizei / Strassengebühr Truppe in Kontakt.

Auf dem Weg zu unserem Treffpunkt für die Fahrt nach Norden verbringen wir eine tolle Nacht auf dem Gelände des höchstgelegenen Yachtclubs der Welt. Der La Paz Yacht-Club hat ein schönes Gelände am Titicacasee.

Die Fahrt hinter dem Toyota mit den Freunden und Bekannten des Interteams zieht sich nach Norden und später nach Osten weit ab üblicher Strassen. Wir sind ab dem Treffpunkt zum Mittagessen bis kurz vor 20Uhr in die Nacht unterwegs. Zum Glück können wir einem Wagen folgen, denn die befahrene Strasse ist in unseren elektronischen Karten nicht vorhanden. Für die spätere Rückfahrt können wir dann dem so genannten Track unseres GPS-Navigationsgerätes zurück folgen!

Wir parkieren auf einem Schulgelände im kleinen Dorf Titicachi gleich neben dem Gesundheitszentrum. Hier kann die Bevölkerung eine erste Versorgung in Anspruch nehmen. Es werden auch Kinder und Erwachsene betreut und wir werden mit offenen Armen empfangen. Mit Händen und Füssen verständigen wir uns mit zwei kleinen Kindern. Da sie taubstumm sind, nützen hier nur unsere Zeichen und Gesten. Wir versuchen ihnen etwas unserer grossartigen Reise zu erklären und freuen uns ab ihrer Reaktionen, während sie unseren Duro bewundern und probesitzen.

Tags darauf sind wir unterwegs mit unseren Freunden in die umliegenden Dörfer und besuchen mit der grossartigen Marie Theres einige Zentren, in denen Stick- und Webarbeiten der Frauen aus der Bevölkerung gesammelt und für den Verkauf fertig gestellt werden. Zu Fuss steilen Abhängen entlang und immer wieder Begrüssungen und immer wieder neue Eindrücke!

Der Schweizer Nationalfeiertag, der 1. August, feiern wir abends mit einem Lagerfeuer, feinen Würsten und Schlangenbrot. Es fehlt das übliche Feuerwerk, doch wir denken, dass wir hier damit nur die umliegenden Tiere unnötig stören würden.
Wir sind dann noch zu einem Dorffest mit Schülertanzvorführungen unterwegs. Kaum angekommen, wir haben‘s vermutet, dass das Programm mit etwas Verspätung abläuft, werden mit unangemeldet gleich zum Mittagessen mit Gemeindevertretern aus den umliegenden Dörfern eingeladen. Eine Absage wird nicht akzeptiert und wir geniessen ein leckeres zweites Mittagessen in einem kleinen Schulzimmer auf Kindergartenmöbeln sitzend:-)

Die Tanzvorführungen auf dem grossen Dorfplatz und das Geschehen drum herum zeigen uns weitere bolivianische Kultur erster Klasse. Sehr freundliche und zufriedene Gesichter. Die Inszenierungen der Schulklassen sind traditionell und lustig. Vor allem der Tanz, der die spanischen Eroberer und Hazienda-Besitzer darstellt, wird ausgiebig zelebriert!

Den Rückweg nach Titicachi können wir durch eine Fahrt auf der Brücke eines Pickups zum Glück etwas verkürzen.
Ein paar sehr erlebnisreiche und freundliche Tage durften wir im Hochland erleben. Vielen herzlichen Dank an Alle die wir treffen durften und viel Freude und Erfolg in der Zukunft!

Unser Versuch, eine Einreise nach Peru entlang des Ostufers des Titicacasees zu machen will nicht klappen. Die Einreise nach Peru, nachdem wir über Land in einem Ort von der Polizei zurück an einen kleinen Grenzort am Ufer des Sees gebeten werden, erübrigt sich als Versuch. Die Diskussionen über unsere falschen Informationen der Bolivianer und dass vor Ort keine Internetverbindung für unsere Einreise vorhanden sei gipfelt darin, dass der arme Polizist dann fürs öffnen der Barriere zurück nach Bolivien noch ein Getränk will. Ich, Simon will nur noch weg da und so haben wir zwei dann etwas Diskussionen, wie wir uns in Zukunft verhalten werden.

So fahren wir zurück zu bekannten Orten und reisen tags darauf dann über den grossen Grenzübergang nahe Copacabana nach Peru ein. Auf dem Weg dorthin gab’s dann nochmals kurz eine Diskussionen in der uns bereits bekannten Zahlstelle eingangs der Ortschaft. So hätten wir an diesem Tag die siebeneinhalbfache Gebühr für die Besichtigung der Stadt bezahlen müssen. Da hat der Beamte aber leider mit den Falschen gesprochen. Nach dem herholen der Quittung vergangener Woche war die Sache bald geklärt. Da hat’s leider zum Schluss unseres Aufenthaltes in Bolivien noch einen fahlen Beigeschmack gegeben.

Auf der Fahrt zur grossen und bekannten Ortschaft nach Puno, am Westufer des Titicacasees haben wir einen friedlichen Grabhügel, Sillustani besucht. Grosse Steintürme früherer Zeiten und eine noch schönere Umgebung zum naheliegenden See.

Wir sind unterwegs nach Cusco und von da aus zum Besuch der sehr bekannten Stadt Machu Picchu. Da diese Stadt sehr bekannt ist, gibt’s für Besuche und Eintrittskarten diverse Möglichkeiten. Wir versuchen übers Internet Karten zu kaufen, scheitern jedoch an der Möglichkeit diese mit Kreditkarte zu bezahlen. Also etwas geradliniger als gedacht zum Büro nach Cusco und hoffen, dass unsere Reservation tags darauf noch gültig ist!

Wir besuchen auf dem Weg nach Cusco weitere schöne Inkastätten und haben Glück und können unsere Eintrittskarten für Sonntag den 11. August kaufen!

Im allseits bekannten Campingplatz, nordöstlich der Stadt, treffen wir auf neue Gesichter, unterwegs auf Reisen in Südamerika. Das Hallo ist grossartig und viele Neuigkeiten werden getauscht und wir können von Hinweisen für den Ausflug zu Machu Picchu und in die Umgebung sehr profitieren. Es gibt hier einen schönen Hahn und ein paar tüchtig eierlegende Hühner, ein paar Enten die anscheinend mit Atembeschwerden kämpfen und fünf kleine Hunde. Es gibt viel zu erzählen, auszutauschen und an einem schweizer Toyota einen Motorschaden, der repariert wird. Neue Kolben und eine neue Kopfdichtung dürften dem in den USA gekauften Fahrzeug hoffentlich wieder auf die Sprünge helfen.

Wir entschieden uns, die berühmte Stadt über von Santa Teresa und Hydro Electrica aus zu besuchen. Dies führte uns über eine tolle asphaltierte Passstrasse nochmals kurz auf 4300müM. hinunter auf 1200müM. Von Santa Teresa aus, konnten wir den Duro in einem Camping stehen lassen und von da aus mit einem Kleinbus zu Hydro Electrica gelangen. Hier gibt’s ein Zuglinie, der wir zu Fuss nach Aguas Calinte gefolgt sind. Gemütlich durch den tollen Wald mit üppigem Gewächs leicht ansteigend. Die gut 9km haben uns nach langem Fahren im Duro schon etwas geschafft. Der nächste Tag bringt dann, nach einer Nacht in einem Backpackers, noch etwas mehr Sport.
Schon vor 6Uhr morgens stehen wir mit vielen anderen Besuchern für den Bus Schlange. Wir kommen mit den vielen Europäern und Nordamerikanern, es ist Hauptsaison für Machu Picchu, zum Eingang der grossen Stadt. Wir sind zum Glück früh dran und können vor der Hitze die Stadt besuchen. Es ist eine herrliche Stadt und eindrücklich angelegt.

Wir haben eine zweite Nacht in Aguas Caliente gebucht, so können wir den Stadtbesuch voll auskosten und abends lange „oben bleiben“. Das Preisniveau ist touristisch und es wird stillschweigend in den Restaurants eine 20% Trinkgeldpauschale aufgeführt und verrechnet. Das ist unserer Ansicht nach leider eine negative Entwicklung, die sich da eingeschlichen hat…

Am folgenden Tag geniessen wir den Spaziergang den Bahngeleisen entlang zurück nach Hydro Electrica und von da in einer Holperfahrt in einem Taxi zurück zum Duro. Wir spüren die vielen Treppenstufen und die Wanderung in unseren Beinen, doch der Besuch war ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Die eindrückliche Baukunst der Inkas und die späte „offizielle“ Entdeckung der Stadt Machu Picchu im Jahre 1911, unterstützt durch die Yale Universität aus den USA, machen dies zu einem besonderen Erlebnis.

Wir fahren auf dem Rückweg nach Cusco bei weiteren Inkastätten vorbei und stellen fest, dass auch hier früh hohe Baukunst angewendet wurde, und man sich viele Überlegungen gemacht hat, wie man die steilen Hänge auch wirtschaftlich nutzen kann.

Bereits die letzten Tage hatte der Duro etwas Atmungsschwierigkeiten. Er zeigt uns dies mit viel Rauch und Husten beim Bergabfahren und bei Losfahren nach so genannten „Speed-bumps“ meist in Ortschaften, um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu reduzieren. Wollen wir nach beinahe Stoppen an einem Speed-bump wieder los, machen wir eine unschöne Rauchwolke und nebeln die Umgebung tüchtig ein. Meist hilft kurzfristig ein Neustart des Motors, doch es wurde immer schlimmer. Wir fahren auf den Campingplatz nordwestlich von Cusco zurück und treffen neben neuen auch alt bekannte Reise-Gesichter. Der Duro soll nach Militärhandbuch mal auf Herz und Nieren überprüft, sprich elektrisch ausgemessen werden. Auch konnten wir viele hilfreiche Informationen und Hinweise aus der Duro-Owner-Group aus der Schweiz erhalten. Die Abklärungen, Vergleiche und Überprüfungen nehmen ein paar Tage in Anspruch. Dies ist jedoch mit der gleichgesinnten Gesellschaft hier auf dem Campingplatz nicht weiter nachteilig, im Gegenteil!

Wir kriegen einen Hinweis, dass der Duro mit einem gezogenen Stecker zwar etwas mehr Geräusche macht, jedoch grundsätzlich fahrbar sein müsste. Dies bestätigt eine Probefahrt und wir werden die kommende Strecke mal ohne weiteren Austausch irgendwelcher Teile antreten. Wir haben die Möglichkeit, dass uns Angelikas Eltern in Costa Rica bei Bedarf dann Teile mitbringen könnten.

Da wir noch nicht genau wissen was genau die Ursache ist, versuchen wir auf der Weiterfahrt das herauszufinden bevor irgendetwas angestossen wird, das wir dann gar nicht benötigen.

So geniessen wir neben werkeln am Duro und Berichtschreiben die gemütliche Zeit auf dem Platz. Es kommen neue Reisende und Bekannte fahren ab nach Machu Picchu.

Wir werden Montag weiter Richtung Nordwesten und dann grundsätzlich nach Norden fahren. Es gibt einen Termin in Costa Rica…:-)

Viele Liebe Grüsse aus Peru
Angelika und Simon